Hoi Harald!
Hariii hat geschrieben:Muss es mir gut überlegen. Ein Freund von mir meinte ich sollte die Arbeit an einem alten Engländer nicht überschätzen und vor allem die eigenen Fähigkeiten und Grenzen kennen...
Ich bin handwerklich ganz gut drauf, aber meinen technischen Kentnisse halten sich in Grenzen und ohne Hilfe geht es nicht. Allein bei der Guzzi bin ich regelmäßig auf Hilfe angewiesen, obwohl die Maschine ja vergleichsweise deutlich entspannter und zuverlässiger ist...
Das mit dem Unterschätzen der Arbeit haste ja in Deinem späteren Beitrag schon richtig gestellt, Harald.
Und jepp, seine eigenen Fähigkeiten und Grenzen zu kennen, das ist essentiell.
Die brätischen Mopeds sind zwar relativ übersichtlich aufgebaut, aber sie haben ihre Tücken im Detail. Und im Gegensatz zu einem modernen Moped, das Du an jeder Ecke zur Reparatur geben kannst, sind gute Werkstätten, zumindest in Deutschland, arg rar gesät. Ich denke nicht, dass das in Österreich anders ist.
Das wiederum heißt, Du bist ziemlich auf Dich alleine gestellt.
Wenn Du hier in Deutschland an einem der BI-Hotspots leben würdest, so à la Ostwestfalen, Kleinodien incl. Speckgürtel oder sonstwo, könntest Du Dir evtl. auf noch mal ein Ding zeigen lassen bzw. Hilfe zur Selbsthilfe holen, aber in Niederösterreich muss so etwas nicht gegeben sein.
Ich weiß noch nicht mal, wo Niederösterreich eigentlich liegt.
Sorry, ich will Dir Deinen Spaß echt nicht verderben, aber das gehört dazu.
So eine Guzz ist ein komplett anderes Motorrad. Bleischwer und unhandlich, aber nicht schlecht gemacht, zumindest nicht, bis sie Öl am Moder- oder Getriebesimmerring verliert oder ein Malheur am Getriebe oder der Kupplung hat. Dann geht das Gefluche los, weil dazu der der Moder raus muss.
Ich bin nicht sicher bei der 850 T, aber die T3 hatte schon Aluzylinder mit Nikasil-whatsoever-Beschichtung, gleitgelagerte Kurbelwelle mit einer guten Ölpumpe, rotierende Stößeltassen, ganz gute Vergaser von Dellorto etc.
Das sind IMHO per se Zutaten für einen langlebigen Motor.
Hariii hat geschrieben:Die alten Bonnies sehen einfach unglaublich gut aus und fahren sich richtig geil. Die Vibrationen am Lenker sind aber schon krass. Das stell ich mir auf längeren Ausfahrten etwas nervig vor, obwohl ich das ja eigentlich mag. Ein Freund meinte der Motor müsste zwischen 30tkm und 50tkm aufs 1 erste Übermaß gebohrt werden, die Trommelbremse alle 100km nachgestellt werden.
Schnieke ist so eine Bonneville schon, sie ist recht leicht und handlich, das Geschüttel ist eben konstruktionsbedingt und nicht zu vermeiden. Aber solange man nicht mit konstant hoher Drehzahl fährt, ist das IME kein Problem. So wie der Reinhard sagt, die richtigen Griffgummis mindern den Effekt auch.
Aus dem Bauch raus liegt Dein Kumpel bei der Laufleistung eines top ends nicht mal so daneben mit den 30 bis 50 tkm. In der Regel haben es die Kolben, Ringe, Ventile und -führungen dann hinter sich, und so ein Moped braucht dann auch anständig Öl. Wenn alles perfekt gemacht wurde, mag das auch etwas länger dauern, die Tendenz stimmt die Zahl IME.
Das mit der Trommelbremse alle 100 km anfassen, das ist aber vollkommener Blödsinn.
Bei der 8" tls an meiner ollen Lightning, die Bremse ist identisch zu der 70-iger Bonnie, habe ich die Bremse nach dem Aufkleben der neuen Backen vor vielleicht 10 oder 15 tkm die Bremsschlüsselwellen geschmiert und die Backen an der Druckstange synchronisiert. Beim Reifenwechsel vorne mache ich die Ankerplatte ab und blase den Bremsstaub raus, sonst ist da nichts zu warten. Den Belagverschleiß stellste am Zugeinsteller nach, und das war es dann auch schon.
Hariii hat geschrieben:...Wenn ich die T120 verkaufe gehe ich von einem Budget zwischen 9000 und 10000 Euro aus. Aber diesen Betrag möchte ich nicht komplett in eine alte Bonnie oder auch die Norton (was hält ihr von der im Link?) investieren, sondern mir etwas für Investitionen aufheben
...
Die Bonnie muss natürlich nicht ständig funktionieren (schön wärs zwar), aber halt auch nicht nach jeder Ausfahrt wochenlang beschraubt werden. Ich schraube wirklich gern, aber bin eben doch noch Anfänger auf so vielen Gebieten und möchte nicht nur in der Garage sein, sondern eben auch auf der Straße damit...
Aus dem Bauch raus, kostet so ein englischer Zweizylinder von Triumph oder BSA irgendwas um die 10k €, bis er gut ist .
Die Einschränkung mit den eigenen Fähigkeiten und dem Netzwerk, wie zuvor erläutert, gilt aber auch dabei.
Eine Commando wird in gutem funktionablen Zustand eher deutlich über Deinem Budget liegen.
Aber, wie Reinhard schrub, es gehört Glück dazu, und Du musst was wissen über die Mopeds. Kauf' Dir Bücher, lies Dich schlau, stell' Fragen.
Hier sind auch schon Leute aufgeschlagen, die einen Betrag ungefähr in Höhe Deines Budgets in furchtbare Grotten versenkt hatten. Mir fällt da gerade ein Beispiel ein.
Ein absolut verbastelter Eimer, sah absolut Scheiße aus, lief wie Scheiße, war grausam schlecht geschraubt, qualmte wie Hölle im Schiebebetrieb und unter Last, der Motor lief dann vielleicht 300 km bis zu einem kapitalen Motorschaden, und ich meine einen richtig kapitalen Motorschaden.
Der Typie wusste noch nicht mal richtig, was er da gekauft hatte, das war ein klassischer Fall von haben wollen.
Frohes Nachdenken und viele Grüße
Ph.