2014 könnte ich durchaus als das schwärzeste Jahr in meinem Leben bezeichnen. Im Juni packte mich die eiskalte Hand des Schreckens im Nacken. Diagnose: Krebs.
Alles ging ganz schnell. Am 12.6. Untersuchung und am 16.6. lag ich zum ersten Mal 8 Stunden unterm Messer. Zwei Wochen Erholung wurden mir gegönnt. Dann folgte die zweite OP. Die Operationen verliefen ganz gut. Zwei bösartige Tumore wurden entfernt, der Primär allerdings bis heute nicht gefunden. CUP-Syndrom (cancer of unknown primary) nennt man so einen Mist.
Schöne Bescherung. Und jetzt? Innerhalb weniger Minuten gehen dir 1000 Sachen durch den Kopf, aber seltsamerweise gehörte Sterben oder Aufgeben nie dazu. Von der ersten Minute an war das Ziel möglichst schnell wieder auf die Beine zu kommen. Also Arschbacken zusammen kneifen und durch.
Mal ehrlich, wer soll sich sonst um die weitere Ausbildung der Jungs vom MC Granufink kümmern? Da gibt es noch einiges an Wissen was ich weitergeben möchte. Gerade im Bereich Bordelektrik.
Nachdem ich aus dem KH entlassen wurde hatte ich einge Zeit mich zuhause ein wenig zu erholen. Im August war es dann so weit. Chemo und Bestrahlung. Das volle Programm. Drei Wochen habe ich das noch ambulant hinbekommen. Dann war Schluß, und es ging nur noch stationär weiter. Die Chemo war im Gegensatz zur Bestrahlung recht fluffig. Bestrahlung im Kopf-Halsbereich hingegen ist ein Gang durch die Hölle. Als ich endlich fertig war, sah ich nicht nur aus wie ein vollgeschissener Nylonstrumpf, sondern fühlte mich auch so. Von knapp über 100 kg bin ich in wenigen Wochen auf 80 kg runter, der Halsbereich war von außen richtig knusprig braun gebraten. Dummerweise auch innen. Essen bereitet noch heute Schmerzen. Aber es geht voran.
Warum erzähle ich das eigentlich? Während der letzten Monate sind einige Menschen aus meinem Leben verschwunden. Menschen, auf die ich im Ernstfall immer gezählt hätte, für die ich selbst schon quer durch die Republik gereist bin. So kann man sich irren.
Zeitgleich habe ich aber drei Jungs aus dem Forum ins Herz geschlossen. Phil, Wolfram und Ralph. Die Drei haben sich stets bei meiner Frau und Tochter über den aktuellen Stand informieren lassen und im Krankenhaus nicht nur mich sondern auch die Schwestern belästigt.
Ich möchte mich an dieser Stelle auch bei denen bedanken, die mir in PN ihre Besserungswünsche übermittelt haben.
Und jetzt zum Venloop. Zeitgleich mit dem Beginn der Bestrahlung habe ich mich für den 10 km Lauf am 22.3. 2015 in Venlo angemeldet. http://www.venloop.de/ Ein Ziel vor Augen war wichtig um den Arsch immer wieder hoch zu bekommen. Die ständige Müdigkeit reißt dich sonst runter.
Wer also am 22.3. nichts vor hat und bei schönem Wetter eine Tour plant, kann sich ja mal Richtung Holland aufmachen. Venloop ist nicht nur Lauf, sondern auch Party und Frikandell Spezial. Eine völlig abgedrehte Stimmung mit geschätzten 10.000 Teilnehmern und ebenso vielen Besuchern.
Beste Grüße
Oliver
P.S. Arvid, wie machst du das nur? Das ist echt anstrengend so viel zu schreiben.
Ich habe übrigens nicht mehr gegengelesen. Wer Fehler findet darf sie gerne behalten.