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70er Commando Aufbau Süd
Verfasst: Mittwoch 31. Dezember 2014, 17:24
von rivera
So die Herren!
Nachdem nun der "Basket Case" Thread ausgeufert ist,
mach ich hier unter Projekte weiter.
Zum Jahresausklang habe ich zumindest schonmal die WW-Nüsse bekommen und konnte die Kurbelwelle zerlegen.
Hatte schon jemand dran rumgeschraubt, die Enden der Sicherungsbleche waren zurückgebogen.
In der Sludgetrab fand sich folgener Inhalt:
IMG_20141231_163152271.jpg
Hab ich natürlich schön fein gesäubert!
Auf der Schwungmasse der Kurbelwelle ist eine 0 und ein Winkel eingeschlagen.
Bissel unscharf:
IMG_20141231_163418208.jpg
Heisst das, die Welle ist noch im Originalmass?
Zum Messen muß ich mir erst eine Bügelmessschraube holen.
Unschöner der Zustand der Ölpumpen Zahnrädchen:
IMG_20141231_165637091.jpg
Da muß ganz schön dickflüssiges Öl durchgeflossen sein..

Ersatz gibts?
Und könnte das, was hier halb von den Krümmern und der roten Box zugedeckt ist, der Originalständer sein?
IMG-20141130-WA0022.jpg
Nun esst mal schön Fondue und /oder Raclette und rutscht gut ins Neue Jahr!
Uli
Re: 70er Commando Aufbau Süd
Verfasst: Donnerstag 1. Januar 2015, 14:49
von Norton
Servus Uli.
Gesundes neues Jahr.
Was Du aus Deiner Kurbelwelle rausgpult hast, hatte ich ja darin vermutet und Dich deswegen ja drauf angesprochen. Das kommt bei länger gelaufenen Motoren aus jeder Welle raus.
Die Räder Deiner Ölpumpe sehen wirklich unschön aus. Aber so wie ich das jetzt sehe, sind das die Räder der Rückförderpumpe. Wie sieht denn der Rest aus? Gehäuse, die Bohrungen im Gehäuse, Deckel. Wenn der Rest noch passabel und überarbeitbar (Deckel kann man überschleifen) aussieht, würde ich das mit der Pumpe noch mal probieren. Einzelteile gibt es nicht, nur komplette Pumpen. Und eine gebrauchte ich halt auch wieder die Katze im Sack. Die sieht innerlich das u. U. noch schlechter aus. Wichtig ist auch eine enge Passung der Wellen im Gehäuse zwischen der Förder- und Rückförderseite. Sonst verzwitschert sich der Öldruck (vor allem bei warmen Öl) in Richtung Rückförderseite. Die Rückförderpumpe braucht ja keinen Druck aufzubauen (nur gegen den Ölfilter, und das ist vergleichsweise wenig), sie muss ja "nur" Volumen fördern. Der Motor ist ja mit der Pumpe schließlich noch gelaufen und Du hast bisher noch nichts von Schäden im Motor berichtet, die auf Ölmangel zurückzuführen gewesen wären.
Gruß. Martin.
Re: 70er Commando Aufbau Süd
Verfasst: Donnerstag 1. Januar 2015, 15:20
von jan
Norton hat geschrieben:Die Räder Deiner Ölpumpe sehen wirklich unschön aus. (...) Wenn der Rest noch passabel und überarbeitbar (Deckel kann man überschleifen) aussieht, würde ich das mit der Pumpe noch mal probieren. Einzelteile gibt es nicht, nur komplette Pumpen. Und eine gebrauchte ich halt auch wieder die Katze im Sack. Die sieht innerlich das u. U. noch schlechter aus.
Hallo Martin,
so ein Ratschlag von Dir?! DEN kariösen Schrott würdest Du noch mal verwenden?! Das ist doch nur eine Frage weniger Betriebsstunden (oder -minuten), bis sich auch der Rest dieser Zahnräder in Wohlgefallen auflöst (oder eher: in üble Brösel, die auch den Rest des Motors in Mitleidenschaft ziehen).
Da würde ich eher alle Hebel in Bewegung setzen und eine neue Pumpe kaufen oder eine gute Gebrauchte suchen oder sogar neue Zahnräder nachfertigen lassen - auch wenn´s finanziell etwas schmerzt...
Cheers, Jan
Re: 70er Commando Aufbau Süd
Verfasst: Donnerstag 1. Januar 2015, 15:44
von Martin
jan hat geschrieben:
Da würde ich eher alle Hebel in Bewegung setzen und eine neue Pumpe kaufen oder eine gute Gebrauchte suchen oder sogar neue Zahnräder nachfertigen lassen - auch wenn´s finanziell etwas schmerzt...
Cheers, Jan
Aber Hallo!

Re: 70er Commando Aufbau Süd
Verfasst: Donnerstag 1. Januar 2015, 17:02
von rivera
Nochmal ein Bild der Pumpe.
Die Zahnräder der Zulaufseite sind OK.
Im Gehäuse sieht man die Riefen.
IMG_20150101_165315385_HDR.jpg
.
Beim Nachbearbeiten soll man doch das Gehäuse schleifen und nicht die Deckel ?
Nochmal ein Bild der Pleuellager:
IMG_20141231_162648867.jpg
Und Kurbelwelle:
IMG_20141231_162738545.jpg
Uli
Re: 70er Commando Aufbau Süd
Verfasst: Donnerstag 1. Januar 2015, 17:18
von Norton
jan hat geschrieben:Norton hat geschrieben:Die Räder Deiner Ölpumpe sehen wirklich unschön aus. (...) Wenn der Rest noch passabel und überarbeitbar (Deckel kann man überschleifen) aussieht, würde ich das mit der Pumpe noch mal probieren. Einzelteile gibt es nicht, nur komplette Pumpen. Und eine gebrauchte ich halt auch wieder die Katze im Sack. Die sieht innerlich das u. U. noch schlechter aus.
Hallo Martin,
so ein Ratschlag von Dir?! DEN kariösen Schrott würdest Du noch mal verwenden?! Das ist doch nur eine Frage weniger Betriebsstunden (oder -minuten), bis sich auch der Rest dieser Zahnräder in Wohlgefallen auflöst (oder eher: in üble Brösel, die auch den Rest des Motors in Mitleidenschaft ziehen).
Da würde ich eher alle Hebel in Bewegung setzen und eine neue Pumpe kaufen oder eine gute Gebrauchte suchen oder sogar neue Zahnräder nachfertigen lassen - auch wenn´s finanziell etwas schmerzt...
Cheers, Jan
Gesundes neues Jahr, Jan.
Wer weiß, wie lange der Motor schon damit gelaufen ist? Tausende, gar Zehntausende Kilometer!
Wäre auch nicht schlecht, rauszufinden welche Teile sich da vorher in dem betreffenden Motor aufgelöst haben und sich durch die Rückförderseite durchziehen konnten, um überhaupt so einen Schaden anzurichten.
Ein bißchen riefig sind die Ölpumpen auf der Rückförderseite meistens, aber die sieht schon wirklich schlecht aus.
Deswegen ist die Magnetablaßschraube vom Joe unten im Gehäuse auch eine richtig sinnvolle Investition. Die fängt nämlich solche (wenigsten magnetischen) Späne, BEVOR sie durch die Ölpumpe wandern.
Wäre das die Förderseite, sähe das für mich ganz anders aus! In die Schrottonne damit! Am besten noch in zwei verschiedene, daß sich das wirklich keiner mehr rausfischt und in einen Motor einbaut.
Für eine gebrauchte würde ich jedenfalls kein Geld ausgeben, oder sie wäre in Teilen, dann könnte man jedes Teil einzeln begutachten. Und dann stellte sich noch die Frage, ob alle Teile wirklich aus EINER Pumpe stammen. Dann wieder gleich ein Neuteil. Dann weiß man, was man hat.
Die abgelaufenen Lagerschalen sehen auch richtig schlecht aus. Da ist schon viel Abrieb aus der Sumpffalle durchgewandert. Auch die Hubzapfen haben augenscheinlich Riefen. Mit 240er Leinen mal drüberpolieren und dann messen. Aber viel Hoffnung mache ich Dir da nicht. Alle Motoren die ich auf der Werkbank hatte mit solch schlechtem Laufbild auf den Lagerschalen, hatten dann auch Hubzapfen, die fast um ein Zehntel unrund waren. Die waren dann ein Fall für den Motoreninstandsetzer. Überschleifen und Übermasslagerschalen sind dann die einzige Alternative.
Bei dem Motor sollte man wirklich alle Teile genauestens ansehen. Wer weiß, was da früher schon alles gestrickt worden ist. Ölüberdruckventil sollte man dann auch überprüfen, ob da genug Scheiben unter der Feder unterlegt sind und ob nicht schon zuviel Öldruck am Ventil abspritzt und so einen Ölmangel verursacht. Vorspannmass vom Gummipilz auf der Ölpumpe genauso. Hat der zuwenig Vorspannung am Steuergehäusedeckel, spritzt das Öl dort weg. Eine fehlende Papierdichtung zwischen Pumpen- und Motorgehäuse kann die Ursache dafür sein. Es gibt auch Scheiben zum unterlegen unter dem Gummipilz, um die Vorspannung richtig einzustellen.
Gruß. Martin.
Re: 70er Commando Aufbau Süd
Verfasst: Sonntag 4. Januar 2015, 12:33
von Towner
Hi,
die Kurbelwelle sieht wie befürchtet entsprechend der Laufleistung aus. Die Ölpumpe würde ich neu kaufen, liegt bei 280€. Es macht auch Sinn, mal die Steuerseite genauer zu untersuchen. Steuerkette, Festigkeit der Intermediate-Welle im Gehäuse, Gewinde der Stehbolzen für die Ölpumpe im Gehäuse. Beim Zusammenbauen kann ich nur empfehlen, alles mit dem empfohlenen Drehmoment anzuziehen. Muttern auf den Stehbolzen an der Ölpumpe ca 14-16NM (ist im Handbuch falsch). Das Material ist alt und weich und die Gewinde oft kurz. Gerade beim Einschrauben von Gewindebolzen ins Gehäuse muss man vorsichtig sein, nicht zu fest anziehen, auf keinen Fall soviel Drehmoment wie die Muttern, die anschließend auf das andere Ende der Bolzen geschraubt werden. Das nur so als Rat.
Es lohnt sich jetzt nicht irgendeine günstige Lösung zu suchen. Der Motor ist total auf und muss von grundauf überholt werden. Alles was jetzt nicht vernünftig gemacht wird, kostet doppelt - vom Ärger abgesehen.
Ralf
Re: 70er Commando Aufbau Süd
Verfasst: Sonntag 4. Januar 2015, 13:49
von Domi-650SS
Towner hat geschrieben:…Stehbolzen an der Ölpumpe ca 14-16NM…
Sind das dann so ca. 1.4–1.6 kg/m? Mein alter 1/4" Drehmomentschlüssel (Facom) hat Skalen cm/kg und in.lbs.
Setzt Du für solche kleine Werte wirklich einen Drehmomentschlüssel ein?
Fritz
Re: 70er Commando Aufbau Süd
Verfasst: Sonntag 4. Januar 2015, 14:10
von Towner
bad_friday hat geschrieben:Towner hat geschrieben:…Stehbolzen an der Ölpumpe ca 14-16NM…
Sind das dann so ca. 1.4–1.6 kg/m? Mein alter 1/4" Drehmomentschlüssel (Facom) hat Skalen cm/kg und in.lbs.
Setzt Du für solche kleine Werte wirklich einen Drehmomentschlüssel ein?
Fritz
Gerade bei diesen Gewinden "Stahl in Alu" halte ich es für wichtig - da ist die Zugfestigkeit deutlich geringer. Bei den kleinen Werten kann man sich schnell vertun, man will ja so fest wie möglich anziehen. Wie oft sind solche Gewinde überdreht. Die Stehbolzen für die Ölpumpe halte ich aber für besonders sensibel. Da sind ja nur so 5-6 Gewindegänge im Gehäuse, viel zu kurz für die Bolzenstärke. Nicht umsonst sind die werkseitig "gehelicoilt" (jedenfalls an der 850er). Normal ist ja 20NM für diese Bolzenstärke und da hat man mit dem entsprechenden Ringschlüssel auch die höhere Gewalt durch den Hebel. Und man will die Pumpe ja am Gehäuse dicht haben. Da hat man schnell zuviel Drehmoment.
Edit: beim Eindrehen der Bolzen ins Gehäuse würde ich noch deutlich weniger Drehmoment geben: max 70% der Vorgabe für die Mutter (hier ca. 10NM). Beim Einsetzen mit Loctite grün hast Du dann ein ausreichendes Losbrechmoment um eine Mitdrehen des Bolzen beim Anziehen der Muttern zu vermeiden. Ich habe hier hochfest (grün) für die Bolzen genommen und blau für die Muttern.
Ralf
Re: 70er Commando Aufbau Süd
Verfasst: Sonntag 4. Januar 2015, 14:56
von Domi-650SS
Towner hat geschrieben:…viel zu kurz für die Bolzenstärke…
Sowohl AN als auch Norvil haben zwei unterschiedliche Bolzen dafür im Sortiment, Im Fasteners-Directory von
http://stainlessbits.com sind sogar drei aufgelistet. Scheinbar hatten die vor Nr 200'000 beidseitig 5/16"x26tpi. Die werden dann wohl mit einem anderen Drehmoment festgezogen, DM kleiner oder grösser als bei den Späteren
Fritz
Re: 70er Commando Aufbau Süd
Verfasst: Sonntag 4. Januar 2015, 15:04
von Norton
Richtigerweise zieht man die Stehbolzen vorher bis auf den Gewinde/Sacklochgrund fest. Und ich nehme dazu jetzt keinen Drehmomentschlüssel. Wenn sich der Stehbolzen dann nicht mehr rühren kann, passiert auch mit den angegebenen Drehmomenten gar nix. Dasselbe gilt für die Stehbolzen von der Steuerkettenspannschiene. Selbst bei meinem über 50 Jahre alten Domi ist da nix passiert. Gewindeeinsätze hab ichda bis jetzt noch in keinem Gehäuse gesehen. Muß ich mal bei meinem 850er anschauen.
Gruß. Martin.
Re: 70er Commando Aufbau Süd
Verfasst: Sonntag 4. Januar 2015, 17:05
von Towner
Ok, an meiner 850er sind Helicoils drin und soviel ich in Erfahrung bringen konnte ist das werkseitig so. Das Sackloch ist daher tiefer als das Gewinde und wahrscheinlich auch tiefer als die Ausführung ohne Helicoils. Die Bolzen können nicht bis zum Boden der Bohrung festgezogen werden, das sie nicht lang genug sind. Natürlich wäre es besser, wenn die Bolzen den Boden berühren. Ich habe neue Bolzen von AN verwendet, die identisch zu denen waren, die vorher drin waren.
Davon abgesehen sollte man für Alugewinden generell weniger Drehmoment nehmen als für Stahlgewinde, auch wenn der Bolzen Stahl ist.
Re: 70er Commando Aufbau Süd
Verfasst: Sonntag 4. Januar 2015, 17:19
von Domi-650SS
Norton hat geschrieben:…Richtigerweise zieht man die Stehbolzen vorher bis auf den Gewinde/Sacklochgrund fest…
Klebst Du die ein (Loctite grün)?
Towner hat geschrieben:…Davon abgesehen sollte man für Alugewinden generell weniger Drehmoment nehmen als für Stahlgewinde…
Ist das feine Gewinde der vor 200'000 in Alu nicht schlechter für diese Anwendung, oder hatten Die in den 60ern bessern Alu-Guss?
Fritz
Re: 70er Commando Aufbau Süd
Verfasst: Sonntag 4. Januar 2015, 18:05
von Towner
Ich setze Stehbolzen generell mit Loctite ein. Da die Muttern auf der Ölpumpe nicht gesichert sind, wende ich auch hier Loctite an. Damit sich dann die Bolzen bei einer späteren Demontage nicht rausdrehen, sollte man dort die festere Variante nehmen.
Ich kann nur sagen, dass man Stehbolzen in Alu generell nicht so fest anzieht. Letztendlich müssen die ja nur den Zug aushalten und nicht den Drehmoment im Gewinde. Die Zugfestigkeit wird dann normalerweise durch das längere Gewinde erreicht. Das ist ja auch der Sinn von Stehbolzen. Die Muttern sind dann wieder Stahl auf Stahl und können mehr Drehmoment aushalten.
Im Falle des kurzen Sacklochs an der Ölpumpe hat man wohl dann bei der 850er die Helicoils eingesetzt um hier die erforderliche Zugfestigkkeit zu erreichen. Das ist neben der Gewindereparatur übrigens auch ein Grund für den Einsatz von Helicoils.
Ich gehe aber davon aus, dass bei der Variante ohne Helicoils mit intakten Gewinden auch kein Problem auftreten sollte, wenn man nicht zu fest anzieht. Wird beim Eindrehen des Bolzens der Boden des Sacklocks erreicht, ensteht so eine zusätzliche Festigkeit, die dann ausreichen sollte.
Ralf
Re: 70er Commando Aufbau Süd
Verfasst: Sonntag 4. Januar 2015, 19:18
von Norton
Die Norton-Leute von damals haben sich ja was gedacht und haben die Stehbolzen auf der einen Seite mit einem BSW-Gewinde und auf der andren Seite mit eine Cyclethread versehen. Das BSW hält im Alu bestens und hat mit seinen 55° Flankenwinkel schon viel Eigenhemmung, daß die auch ohne Loctite halten und nicht ausreißen. Ausserdem sind die Gewinde im Alu schön lang.
Ich verwende da kein Loctite.
Gruß. Martin.