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Diskussion zu Henriks Messung der Verstellkurven von Boyer Zündboxen

Verfasst: Montag 3. August 2026, 08:23
von T140-Oli
Erstmal vielen Dank @Henrik für deine Messungen und Ausführungen, ich finde das sehr spannend! Du schreibst:
Oberhalb von 2500 rpm war bei allen Zündboxen keine signifikante Verstellung des Zündzeitpunkts messbar. Deshalb wurden die Aufnahme der Messreihe jeweils bei 2500 rpm unterbrochen und eine weitere Zündbox zur Messung angeschlossen.

Interessant finde ich, dass die Abweichung zwischen der Zündbox „Phil 1“ und der Zündbox „Uli“ bei 1000 rpm bereits 4 Grad beträgt. Diese gemessene 4 Grad (Nockenwelle) entsprechen immerhin einem Unterschied von 8 Grad an der Kurbelwelle.

Ergo: Wenn ihre mal eine defekte Boyerbox durch eine neue Boyerbox ersetzt und nichts außer der Boyerbox selbst tauscht, müsst ihr dennoch abblitzen, da die Initialstreuung der Boxen untereinander ab Werk so groß ist, dass dies bereits einen merklichen Einfluss auf euer Motorverhalten haben kann.
Das Ergebnis verblüfft mich. Wo kommen diese Unterschiede her? Da hätte ich bei einer elektronischen Box konsistentere Ergebnisse erwartet.

Und ehrlich gesagt, sehen die Kurven ja auch gar nicht so aus als wäre nur der Offset verschoben. Sondern es ändert sich die Amplitude, also das Maß der Frühzündung. Phil1 kriegt maximal satte 14 Grad Frühzündung, während es bei Uli bei 11 Grad bleibt. Nicht, dass Phil das nicht verdient hätte, :halloatall: aber den Grund würde ich schon gerne verstehen: Und wenn Uli seine Zündung dann anders einstellt, liegen die Kurven ja mitnichten übereinander, sondern weichen bei den verschiedenen Drehzahlen um mehrere Grad voneinander ab. Oder bin ich da zu genau und es kommt im echten Leben auf ein paar Grad mehr oder weniger gar nicht an?!

Grüße
Oli

BTW: Ich bekomme immer Knoten im Kopf, wenn die Drehzahl oder der Drehwinkel der Nockenwelle und der Kurbelwelle verglichen wird ("irgendwas muss verdoppelt werden, aber was?!"). Deshalb danke, dass du das jeweils so deutlich dazu schreibst :mrgreen:

Re: Diskussion zu Henriks Messung der Verstellkurven von Boyer Zündboxen

Verfasst: Montag 3. August 2026, 08:42
von Martin
Hmh.
Ulis Box ist für eine Commando, denke ich.
Hat die nicht auch eine eigene Verstellkurve?

Re: Diskussion zu Henriks Messung der Verstellkurven von Boyer Zündboxen

Verfasst: Montag 3. August 2026, 09:30
von Leftie
Hi,
ein verdienstvolles Projekt und sehr anschaulich dargestellt - tausend Dank an Henrik und Helfer!!

Die Streuung zwischen den beiden Norton-Geräten ist wirklich bemerkenswert und macht spontan etwas misstrauisch, was die Qualität der Boyer-Boxen angeht :-k. "Phil2" und "Uli" könnten aber auch aus zwei verschiedenen Chargen sein, und die Kurve wurde zwischenzeitlich verändert / optimiert :lupe: :nixweiss:. Für belastbare Ergebnisse würden letztlich nur weitere Messungen helfen (für solche Grundlagenforschung gibt's bestimmt auch ne DFG-Förderung :ebiggrin: :mrgreen: :-p).
Ich müsste noch eine ältere Norton-Boyer haben, die ich bei Bedarf gerne zur Verfügung stellen würde.

Gruß, Ralph

Re: Diskussion zu Henriks Messung der Verstellkurven von Boyer Zündboxen

Verfasst: Montag 3. August 2026, 13:49
von Phil
Martin hat geschrieben: Montag 3. August 2026, 08:42... Ulis Box ist für eine Commando, denke ich.
Hat die nicht auch eine eigene Verstellkurve?
Non, Monsieur.

Die schwatten Boxen sind alle gleich. Sie unterscheiden sich nur durch den Kabelsatz, der aus der Box raushängt.

Ernies Support hatte mir das auch mal bestätigt.

Schöne Grüße

Ph.

Re: Diskussion zu Henriks Messung der Verstellkurven von Boyer Zündboxen

Verfasst: Montag 3. August 2026, 16:31
von Henrik
Leftie hat geschrieben: Montag 3. August 2026, 09:30 Für belastbare Ergebnisse würden letztlich nur weitere Messungen helfen (für solche Grundlagenforschung gibt's bestimmt auch ne DFG-Förderung :ebiggrin: :mrgreen: :-p).
Nun…leider gibt es seitens DFG kein passendes Förderprogramm.
Blöderweise kann man sich auch für den Nobelpreis nicht selbst vorschlagen…
Leftie hat geschrieben: Montag 3. August 2026, 09:30 Ich müsste noch eine ältere Norton-Boyer haben, die ich bei Bedarf gerne zur Verfügung stellen würde.
Ja, die nehme ich gerne.

Übrigens - wer noch eine Zündbox übrig hat, kann mir diese auch sehr gerne zum B.O.B. mitbringen.
Ich kann diese dann im Nachgang vermessen und euch wieder zusenden.

Je mehr Boxen ich messe, umso besser wird meine Datenbasis.
Zeitgleich wisst ihr dann, wo eure Box hinsichtlich der Verstellkurve im Vergleich zu anderen Boxen einzuordnen ist.

Beste Grüße
Henrik

Re: Diskussion zu Henriks Messung der Verstellkurven von Boyer Zündboxen

Verfasst: Montag 3. August 2026, 16:59
von Henrik
Eine weiteren Gedankengang möchte ich hier noch teilen.

Die MK3- und MK4-Zündboxen sind zu 100% rein analoge Boxen, sie sind also ohne Mikrocontroller aufgebaut.
Die Verstellkurve wird also nicht berechnet, sondern durch analoge Zeitglieder (RC-Glieder) gebildet.
RC-Glieder sind aus Widerständen und Kondensatoren aufgebaut.

Alle Bauteile unterliegen einer Toleranz bei der Herstellung. Möchte man nun zwei identische Boxen aufbauen, hat man deutlich höhere Herstellungskosten, da man man nur Bauteile mit sehr geringen Initialtoleranzen verbauen darf. Diese Bauteile sind deutlich teurer.

Ein weiterer Effekt, der meiner Meinung nach einen Einfluss auf die Verstellkurve hat, ist die Alterung der Bauteile.
Insbesondere die verbauten Kondensatoren verlieren mit der Zeit einen Teil ihrer Kapazität.

Eine „alte“ Zündbox müsste also ,im Vergleich mit einer fabrikneuen Zündbox, eher dazu neigen, die maximale Verstellung bei niedrigeren Drehzahlen zu erreichen.

Den Nachweis hierzu kann ich leider nicht liefern. Dieses Verhalten wäre mir jedoch zumindest einleuchtend.

Eventuell mache ich mir mal den Spaß und schreibe den Support von Boyer-Bransden hierzu mal an.


Beste Grüße
Henrik