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Wundersame Ölvermehrung im Primär
Verfasst: Mittwoch 15. September 2021, 09:04
von Buabal
Norton KG2.jpg
Meine vor kurzem erworbene 750"S" Bj.71 mutiert nach 100km Probefahrt zur fleißigen Ölsardine. Das Öl kommt aus dem Filzring im Primärkasten. Das Primäröl hatte ich nach dem Kauf erneuert und exakt 200ml ATF eingefüllt. Jetzt kamen nach bereits 100km Fahrt 500ml braune Brühe raus. Erster logischer Gedanke: Der KW Simmerring ist defekt. Nach Demontage des Primärtriebs sah ich 4 kleine "Bohrungen", die schön gleichmäßig um die Kurbelwelle herum verteilt ins Kurbelgehäuse gebohrt waren. Hat jemand sowas schon mal gesehen? Siehe Foto. Für was soll das gut sein? Ein Test mit einer Nadel beruhigte mich zuerst. Kein Durchgang nach innen. Optisch schienen die Bohrungen konische Sacklöcher zu sein. Vorsichtshalber habe ich das Kurbelgehäuse mit Druckluft abgedrückt und siehe da: Es pfiff munter aus allen 4 Löchern. Die Nadel war wohl zu dick gewesen. Das heiße Motoröl konnte so locker in den Primär fließen. Ach ja, der Simmerring war dicht.
Nun stellen sich mir zwei Fragen: Warum sind die Löcher gebohrt worden ( "Bearbeitungsspuren" des Kurbelgehäuse etc, zusätzliche "KG-Entlüftung")? Das Motorrad war von einem gewissen Richter in Soest neu aufgebaut und dann weiter verkauft worden. Bei diesem Käufer ist sie dann jahrelang nur rumgestanden, bis ich sie gekauft habe.
Wie verschließe ich diese Löcher zuverlässig? Hat jemand Vorschläge oder sogar Erfahrung mit derartigen Misshandlungen?
Vielen Dank schon mal für die Vorschläge
da Reino
Re: Wundersame Ölvermehrung im Primär
Verfasst: Mittwoch 15. September 2021, 09:26
von Krad-Chrischi
Sieht für mich wie vom Einspannen in einer Drehmaschine aus. Versehentlich zu tief gebohrt …
Keine Ahnung wie man das am besten verschließt, auf jeden Fall keine Dichtschmiere!
Re: Wundersame Ölvermehrung im Primär
Verfasst: Mittwoch 15. September 2021, 09:34
von Martin
Motorrad Richter gibt es immer noch. Ruf doch einfach da mal an und frag, ob er noch Unterlagen hat?
Halte uch für gar nicht unwahrscheinlich
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Re: Wundersame Ölvermehrung im Primär
Verfasst: Mittwoch 15. September 2021, 10:19
von Uli
Hi Reino,
mit den 750ern kenn ich mich nicht wirklich aus (Norton und Tim melden sich bestimmt noch),
aber ich würde mal sagen, die Löcher gehören da nicht rein.
Warum die jemand gemacht hat?
Mein Tipp: Sackloch-Gewindebohrer, Madenschräubchen mit Loctite mittel- oder hochfest, gut.
Die vom Hersteller vorgesehene Kurbelgehäuseentlüftung tut wie vorgesehen?
Aber den Richter würd ich auf jeden Fall interviewen, da hat Martin ganz recht.
Grüße von der Donau an die Altmühl,
Uli
Re: Wundersame Ölvermehrung im Primär
Verfasst: Mittwoch 15. September 2021, 10:40
von Norton
Die Bohrungen sind nicht original und haben da auch nichts zu suchen!
Miss doch mal den Abstand. Kleiner als 72mm? Dann hat die Löcher jemand rein gebohrt, um das dahinter liegende Lager auszutreiben.
Auf was für schwachsinnige Ideen so manche doch kommen.
Madenschrauben mit Loctite wäre ein gangbarer Weg. Halt wirklich FETTFREI machen, damit die auch wirklich drin halten.
Das war jedenfalls schon eine richtige Sch...ss-Idee! Weil stabiler wird das Gehäuse und der Lagersitz von der Bohrerei jedenfalls nicht. Und das noch auf der Abtriebsseite, wo man froh ist, wenn man ein steifes Gehäuse hat.
Was soll eine Drehmaschine mit den Löchern zu tun haben?
Gruß. Martin.
Re: Wundersame Ölvermehrung im Primär
Verfasst: Mittwoch 15. September 2021, 11:39
von Buabal
ich vermute vom Richter werde ich keine Infos mehr bekommen, weil der Neuaufbau in den 80ern erfolgte. Danach war die "S" in seinen Ausstellungsräumen geparkt, bis sie 2012 verkauft worden ist. Vielleicht kommen die Löcher von einem unpassenden, selbst gebauten "Abdrücker" statt des richtigen Abziehers für das Primärritzel. Der Gewinde-Lochabstand im Primärritzel für den originalen Abzieher passt aber nicht zum Abstand der Bohrlöcher. Die Bohrlöcher sind nicht voll durchgehend ins Kurbelgehäuse. Die Materialdicke an der Stelle reicht nicht aus um ein vernünftiges Sackgewinde rein zu schneiden. Da müsste ich durchbohren bis in das KG. Trau ich mich nicht. Ich werde versuchen mit Weichlot und Lötflamme die Löcher zu schließen.
Re: Wundersame Ölvermehrung im Primär
Verfasst: Mittwoch 15. September 2021, 11:48
von Uli
Norton hat geschrieben:Dann hat die Löcher jemand rein gebohrt, um das dahinter liegende Lager auszutreiben.
Stimmt, könnte hinkommen.
Wenn der Vorschrauber nicht willens oder in der Lage war, das Gehäuse korrekt zu erwärmen.
Das würde auch erklären, warum die Bohrungen sich wie Sacklöcher anfühlen, ohne welche zu sein.
Da liegt einfach der Außenring dahinter.
Dann hat es aber bestimmt nicht der Richter gemacht; ich kenne dessen Schrauberfähigkeiten nicht,
aber DAS sollte er werkstatthandbuchkonform hinbekommen.
Reino, dann musst du aber aufpassen, dass die Madenschrauben nicht auf den Lageraußenring drücken, das könnte fatale Folgen haben.
Evtl. kurze Senkkopfschrauben nehmen? Musst dann halt präzise ansenken, ein Hofmühl verhilft zu einer ruhigen Hand...
Und wenn an deinem Moped schon mal eine solche Konyphäre am Werk war, dann halt bloß die Augen offen,
da gibt es bestimmt noch mehr schräge Sachen.

Re: Wundersame Ölvermehrung im Primär
Verfasst: Mittwoch 15. September 2021, 12:19
von Uli
Buabal hat geschrieben:Die Bohrlöcher sind nicht voll durchgehend ins Kurbelgehäuse.
Eben, weil hinter den Bohrungen wohl der Außenring des KW-Lagers lauert.
Buabal hat geschrieben:Da müsste ich durchbohren bis in das KG.
Kannst du eh nur, wenn du den Motor zerlegst und das Lager ausbaust, sofern unsere obige Vermutung zutrifft.
Miss doch mal den Lochkreis-Durchmesser.
Buabal hat geschrieben:Ich werde versuchen mit Weichlot und Lötflamme die Löcher zu schließen.
DAS wiederum würde ICH mich nicht trauen...
Dann eher schon einen runden Alustopfen mit Presssitz (evtl. mit einem Kopf á la Bremsbelagniete) eintreiben und zusätzlich festkleben.
Bekommst du wirklich nicht mal 2-3 Gänge geschnitten? Evtl. nur mit einem zurechtgeschliffenen Fertigschneider?
Das Alu ist weich und die Schraube muss ja nur sich selber halten und dicht sein, Last kommt da keine drauf.
Re: Wundersame Ölvermehrung im Primär
Verfasst: Mittwoch 15. September 2021, 13:10
von Öko
Bohrungen und Schrauben Fett und Ölfrei machen, per Hand mit einem Fropfen Mittelwerte Loctide Schraubensichrungsmittel eindrehen......nicht mit dem Akkuschrauber...
Wenn geringste Zweifel am WDR sind diesen gleich mit erneuern...und das Höhen und Seitenspiel der KW messen.
Re: Wundersame Ölvermehrung im Primär
Verfasst: Mittwoch 15. September 2021, 15:06
von Buabal
Norton hat wohl Recht. Hab mir die Bohrungen genauer angeschaut. Ein Lochkreis hat 73mm, der andere 65mm. Man sieht hinten die Lagerringe. Na hoffentlich hat diese Brachialmethode den Lagersitz nicht zerstört beim Auspressen des Lagers. Versteh einfach nicht wie man so was machen kann. Kopf schüttel. Lagerspiel der KW ist gefühlt i.O. Noch nicht gemessen. Der Durchmesser der Bohrungen ist 2,5mm. Da könnte man ein 3mm Gewinde draufschneiden und Madenschrauben einsetzen. Ich probier's.
Re: Wundersame Ölvermehrung im Primär
Verfasst: Mittwoch 15. September 2021, 16:22
von Rüdi
Schon krass auf was für Ideen manche Zeitgenossen kommen, dort Löcher rein zu bohren

Re: Wundersame Ölvermehrung im Primär
Verfasst: Mittwoch 15. September 2021, 17:10
von Buabal
So, matta fixxed. 3mm Gewinde rein geschnitten und mit Torx Edelstahl Senkkopfschrauben und Schraubensicherung verschlossen. Ausreichend Abstand von den Schraubenköpfen zur Primärkette und Ritzel ist gewährleistet. Dichtheitstest morgen mit Druckluft. Das müsste aber dicht sein. Falls es jemand interessiert, wie ich das Kurbelgehäuse mit Druckluft abgedrückt habe: Ölpumpe ausgebaut, Deckel wieder drauf geschraubt. Rücklaufschlauch zum Öltank verschlossen. Druckluftanschluss mit Vorlaufschlauch vom Öltank verbunden. KG Entlüftungsschlauch verschlossen. Dann über Druckminderer am Kompressor langsam den Druck auf max. 1bar erhöht. Mit Seifenlauge findet man da jede Undichtigkeit am Motor. Das Ganze würde einfacher gehen über den KG Entlüftungsschlauch ohne Ölpumpenausbau. Dann muss man halt die richtige Stellung der Nockenwelle sicher stellen. Aber die Pumpe wollte ich sowieso kontrollieren.
Re: Wundersame Ölvermehrung im Primär
Verfasst: Mittwoch 15. September 2021, 17:52
von Klaus Monning
Hallo Zusammen,
ich kenne sowas auch. Hab' mal bei einer Norton 99 damit zu tun gehabt. Ich glaub' wir haben's ähnlich gelöst. Klar ist auch, durch diese Löcher sollen die Lagerringe (natürlich bei kaltem Gehäuse) raus getrieben werden. Allerdings kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass der Günther Richter so einen Blödsinn anstellt. Der war immer zwar als teuer aber ansonsten absolut korrekt bekannt.
So'n Quatsch kommt normalerweise direkt aus England.
Gruß
Klaus
Re: Wundersame Ölvermehrung im Primär
Verfasst: Mittwoch 15. September 2021, 19:21
von Phil
Buabal hat geschrieben:So, matta fixxed. 3mm Gewinde rein geschnitten und mit Torx Edelstahl Senkkopfschrauben und Schraubensicherung verschlossen. Ausreichend Abstand von den Schraubenköpfen zur Primärkette und Ritzel ist gewährleistet...
Well done, Reino!
Das wird schon dicht sein, wenn Du die Schräubchen eingeklebt hast mit dem richtigen Kleber. Wobei ganz trivial isses nicht, weil das 'normale' aka mittelfeste Loctite eigentlich nur für Gewinde > M5 geeignet ist laut Datenblatt.
Ich kenne die Ausbaubohrungen auch von den A65. Wenn die Lagerschale am Rollenlager a weng viel Pressmaß hat, kann es sein, dass man sie auch bei knalleheißem Gehäuse nicht rausbekommt. Da sind die Bohrungen, so sie denn da angebracht werden, wo der Lagerring sitzt bzw. dahinter, und das Gehäuse kommt dann vor dem Austreiben nochmal innen Ofen, schon eine Alternative, zumindest nicht schlechter als ein heißes Gehäuse wie doof auf der Werkbank rumzukloppen.
Ich drück' Dir die Daumen.
Schöne Grüße
Ph.
Re: Wundersame Ölvermehrung im Primär
Verfasst: Mittwoch 15. September 2021, 21:02
von Uli
Na, schaut doch mal gut aus!
Nur hättest du nach der reinen Lehre BA5-Gewinde nehmen müssen...
Tja, mit diesem Makel musst du jetzt leben.
