beaufort hat geschrieben:... Gruß, Klaus
Danke für die Blumen, Klaus.
Ich glaube ja fest an den sittlich-technischen Nährwert dieses Forums. Am Ende geht es ja um brätische Mopeds und die Weitergabe von Wissen und Erfahrungen hiermit. Ich hab' die Befürchtung, dass da in den nächsten Jahren relativ viel verloren gehen wird, wenn die betagteren Händler und Werkstätten altershalber schließen werden. Das ist eh kein Spaß für die Leute gewesen in den letzten Jahren.
Norton hat geschrieben:... 50er Öl?...
Even worse, 50-iger Einbereichsöl auch noch mit einem Ölkühler kombiniert. Ich hab' mal vor ein paar Jahren an meiner ollen Lightning über einen Zeitraum immer wieder Öltemperatur gemessen. Ich bekomme an einem heißen Tag mit recht viel Last nicht mehr als 80° im Öltank.
Insofern ist die da verbaute Lösung eher suboptimal über die verwendete Ölsorte hinaus.
sumoler hat geschrieben:...Wir müssen halt oft mit gebrauchten Teilen leben. Was willste denn immer alles im Vorfeld austauschen? Was hatte denn dein Bekannter zu dem Belt gesagt?...
Jepp, schon klar, Du kannst nicht auf Verdacht alles austauschen, erst recht nicht, wenn wirtschaftlich nur das Verbauen eines gebrauchten Quadranten darstellbar ist. Mitch Klempf hat neue, der ruft 300.- $ dafür auf... Plus Fracht, plus Zoll...
Es ist halt die Kombination, die seinerzeit mit dem Quadranten verbaute camplate war halt darauf eingelaufen, die camplate von dem Getriebe jetzt ist es halt nicht. Deshalb geht es nicht. Nur beim nächsten Mal werde ich da genau hinschauen.
Der Besitzer des Mopeds war/ist auch recht entspannt gewesen. Ich glaube, er ist einfach froh, wenn das am Ende funzt, auch wenn es jetzt holprig ist auf dem Weg dahin.
Als meinen Bekannten würde ich den Typie nicht bezeichnen. Ein Händler mit Werkstatt hier aus der Ecke, den Du auch kennst, hatte den an mich verwiesen, wegen des ursprünglichen Getriebeproblems.
Das Drama an dem speziellen Moped ist, dass das alles Mögliche verbaut wurde, was sich dem Grunde nach erstrebenswert anhören könnte und auch mal richtig Asche gekostet hat, aber es wurde eben nur angebaut, ohne dass das dem Moped als solchem gut getan hätte.
Das geht los mit einer Gabel und Bremse, die zwar italienisch und hübsch ist, gleichzeitig gibbet kein Lenkschloss mehr. Federn und bremsen tut das aber nicht oder unmerklich besser als das originale Zeuch an meiner ollen Lightning.
Ein seit dem Einbau des funky magneto funktionsloser Kröber und ein Fahrradtacho, na ja, wer's halt mag.
Das mit dem nicht so hübschen end feed crank-Umbau und dem Weg dahin hatte ich schon geschrieben. Wenn da drei Jungs daran arbeiten, davon wird es nicht besser.
Da ist ein gusseisernes SRM big bore barrel drauf, gut, das Moped hat Mumm, aber so signifikant mehr als meine olle Lightning hat sie nicht.
Im Zuge des big bore-Dingens hat ihm wohl einer empfohlen, AMAL Concentrics Mk2 anzubauen. Die sind aber so schlecht abgestimmt, dass die Kerzen (zu allem Elend auch noch NGK

) kohlrabenschwarz sind. Das Moped läuft viel zu fett, wenn sie dann mal anspringt, dann kannst Du sie kalt mit dem gusseisernen barrel sofort im Leerlauf tuckern lassen, ohne dass sie ausgeht. Das kann nicht sein.
Über die Vergasermalesten hinaus nicht hilfreich zu einem brauchbaren Startverhalten ist sicher auch noch der funky magneto. Eingestellt wird der mit einem pin (nachdem der verlustig ging, ersatzweise mit einem 1,5 mm Bohrer) durch den magneto body und den Rotor auf der vollen Frühzündungsmarkierung. Dann draufklopfen und gut. Der Rotor neigt aber durch das Magnetfeld im body sich bei der Montage zu verdrehen. Und dann könntest Du das zwar abblitzen, aber zur Korrektur muss der body und der Rotor wieder ab. Das ist so winzig und fummelig, dass Du auch den pin/Bohrer gar nicht reinschieben kannst beim Durchdrehen. So war das früher beim 2CV, da konntest Du die Kontaktzündung damit wenigstens nach der Montage nochmal überprüfen, hier geht das wirklich nicht.
So schaut das aus in natura:
Rotor mit der Bohrung für den pin
magneto body
Auch très chic ist das Abstellen des Mopeds. Der magneto wird wie immer gegen Masse gelegt, um den Moder zum Verstummen zu bekommen, leider hat es nicht dazu gereicht, das entsprechende Kabel zu einem Taster zu verlegen und da anzuschließen. Das Kabel baumelt rum, und zum Abstellen hältst Du es eben an den Moder. Dann geht das Ding aus.
Der Besitzer des Mopeds startet das Ding einfach immer mit Startpilot, was dem Moder auf Dauer auch nicht gut tut.
Der belt ist auch so eine Geschichte. Der Besitzer sagt, dass ihm das Ding zusammen mit einer Getriebedurchsicht von einem Schrauber hier aus der Gegend angebaut wurde, Argumente waren: '... leichter, schneller, leiser, besser usw. ...'
Wie gesagt, auf den ersten Blick sieht das nach einer falschen Distanzierung aus, die den Riemen frisst, was mich beim Anblick des distance piece und der dicken Scheibe nicht wundert. Normalerweise geht es um ein paar Zehntel und nicht um ganze Millimeter, die man unterlegen muss.
Den genannten Schrauber kenne ich vom Hörensagen, er ist eigentlich sehr gut beleumundet, man müsste ihn fragen, wie das war. Es ist immer heikel, sowas nur aus einer Perspektive zu hören. Erst recht, wenn die beiden dann noch anständig Streit hatten miteinander hinterher.
Wenn der Schrauber das Getriebe tatsächlich ausgebaut, durchgesehen und distanziert hätte, so wie vom Besitzer des Mopeds behauptet, dann wäre das schief gelaufen.
Wie gesagt, der layshaft war auf die falsche Seite distanziert, die verbaute Distanzscheibe links ist von einem anderen Hersteller und nicht so, wie sie sein soll. Die dogs waren rund, an dem Getriebe wäre der dritte Gang entweder jetzt schon oder in naher Zukunft rausgeflogen unter viel Last. Wohl dem, der in diesem Falle dann das Gas schnell genug zugedreht bekommt.
Whatever, Dinge gehen schief, Fehler machen wir alle, das ist eben so.
Eigentlich ist das alles eine traurige Geschichte. Der Besitzer hat da richtig viel Asche rein versenkt, und das Gesamt-Oeuvre funzt deutlich schlechter als der Ausgangspunkt.
Eigentlich muss man die ganzen Zubehörkomponenten demontieren und den Ursprungszustand wiederherstellen, dann wäre das Moped wenigstens vernünftig nutzbar...
Den Kack-magneto abzieren und eine Boyer oder Pazon ran, die Vergaser abbauen und normale 900-er Concentrics. Damit spränge das Ding wenigstens an, was zumindest IMHO eine Eigenschaft wäre, die den Nutzwert eines Motorrades doch deutlich nach vorne brächte.
Den belt als solchen kann man ersetzen und vernünftig distanzieren, dann muss man nur mit der ellenlangen Primärübersetzung leben, wenn man nicht gleich auf die originale Lösung zurück geht.
Aber das kostet alles viel Zeit und Asche, der Besitzer kann nicht selber schrauben, Platz und Werkzeug hat er auch nicht, und wenn er mit der Schüssel zum Profi geht, dann wird das erst recht teuer, weil das sind viele viele Sachen, die so nicht gehen.
Wie gesagt, ich hab' mich bereit erklärt, das mit dem Getriebe in Ordnung zu bringen, was ich teilweise ja schon erledigt habe, den Rest bekomme ich auch noch hin. Und Entwicklungshelfer oder Seelsorger für die Schüssel bin ich nicht. Das ist nicht mein Beritt, wie ich schon vorher mehrmals schrub.
Schönen Sonntag und viele Grüße
Ph., der Labersack.