Jan,
Sicherlich ist es so, daß ich, der ich mich schon als Jugendlicher
wirklich für Motorradhistorie interessiert habe, und damals wirklich
alles Greifbare las, so leicht nicht zu begeistern bin.
Zudem habe ich meist alles schon mal irgendwo gelesen. Doch es ist ja nun wirklich nicht so, als würde ich durchweg alles als Mist bezeichnen.
Im Meer der Durchschnittsschreiberlinge, die mit geringstmöglichem Rechercheaufwand die maximale Zeilenanzahl verbrechen, ragen einige Leuchttürme heraus, die der Welt wirklich
in ihren Sternstunden (durchaus auch nicht immer!)-was Neues zu sagen haben. Mein persönlicher langjähriger Freund Stefan Knittel gehört dazu, dessen BMW-Motorrad-Markengeschichte "BMW Motorräder" ich für die beste bisher veröffentlichte Geschichte einer Motorradmarke halte, da sie politische und wirtschaftliche Hintergründe ebenso berücksichtigt, wie involvierte Personen und ihre persönlichen Stärken und Schwächen. Ebenso seine vor Jahren in der "Motorrad Classic" erschienene Mabeco-Geschichte, in der er erstmals den
wirtschaftlichen Hintergrund (Siemens-Tochtergesellschaft!) aufdröselte.
Hingegen fand ich neulich seinen Bericht über unsere Commandos schwach und nichtssagend- es ist auch bei ihm nicht alles Sternstunde.
Auch Steve Wilsons Reihe "British Motorcycles" ist so positives ein Beispiel. Oder die sorgfältig recherchierten Bücher von Roy Bacon, das wirklich grundlegende Nortonbuch von Mick Woollett, oder die "Norton Commando" Geschichte von Mick Duckworth.
In den meisten anderen Markengeschichten fallen die Motorradmodelle aus dem Himmel, in dem dann noch manchmal ein Gott, also Phil Vincent oder Eduard Dreher (Triumph) residiert.
Von anderen Journalisten habe ich nie solche Großtaten gesehen. Leberkäs kratzt bestenfalls an der Oberfläche oder erzählt frei erfundene Lügenmärchen; bei Cathcart ist jedes Motorrad, das ihn einer fahren läßt, toll; Illg sieht alles aus der Grasnarbenperspektive des sparsamen Schwäbles ("Hauptsache kost' nix), Winni Scheibe schreibt Leberkäs ab, der verstorbene Mick Walker hatte der Welt nun wirklich nichts zu sagen und schrieb jedes Buch innerhalb 4 Wochen (inklusive Recherche!) etcetc.
Es ist also nicht Pauschalkritik, sondern punktuelle. Die wird man ja wohl noch üben dürfen.
Joe S.