BSA A65-Moder mit Überraschungen

Baust Du noch oder fährst Du schon?
Antworten
Benutzeravatar
Phil
SuFu Fetischist
Beiträge: 7894
Registriert: Samstag 5. August 2006, 16:20
Wohnort: Celle

BSA A65-Moder mit Überraschungen

Beitrag von Phil »

Hallo Leute,

ich hab' letztes Wochenende angefangen, den neu erworbenen A65-Moder eines Kumpels zu zerlegen, der ihm zugelaufen ist.

Ich zeige Euch mal die High- und Lowlights, die man bei so etwas finden kann.

Wenn Ihr Interesse habt, schreibe ich das hier. Wenn es Euch auf die Nerven geht, dann sagt Bescheid, und schwups lösche ich den ganzen Faden wieder.

Interessant ist, dass der Moder wohl bis zum Schluss bzw. Ausbau in einem Moped lief, das dann eben zerlegt wurde, um Teile zu spenden.

Wobei, meiner Einschätzung nach kann der Motor nicht wirklich gut gelaufen sein.

Am ehesten hatte der Vorbesitzer dann vor dem Verkauf des Mopeds noch versucht, dem Moped das Rauchen und Öl saufen abzugewöhnen, eine richtige Erfolgsgeschichte war das aber eher nicht.


Erstmal der Schädel. Der war schon demontiert und ist ziemlich fertig. Ventile von renommierten Herstellern sind da drin, aber die sind eben ge- oder vielleicht auch verbraucht. Die Schäfte sehen nicht wirklich prall aus.

Die Führungen sind so lala, die Ventile wackeln ein wenig, aber etwas Unterdruck baut sich noch auf, wenn man hinten an der Führungen den Finger draufhält.

Die Sitze sind abgesoffen, die müssen neu. Die sind stellenweise so tief gefräst, dass man schon im jetzigen Zustand unten keinen Freiwinkel mehr setzen kann, um die Sitzbreite auf ein vernünftiges Maß zu bekommen.

Bild

Ehrlich gesagt, ich bin noch unentschieden, was ich da für einen Vorschlag zur Sanierung machen soll.

Es mag wirtschaftlicher sein, bei Bedarf einen gebrauchten Kopf zu nehmen, bei dem der finanzielle Aufwand geringer sein wird.

Zuerst hatte ich gedacht, klaro: neue Sitze, Führungen, Ventile und gut, aber das wird sich in der Größenordnung von mehr als 1k € abspielen mit allem, das ist schon an der Grenze.

Dann mal die Garnitur durchgesehen.

Es macht mich immer etwas nervös, wenn ein barrel frische Honspuren hat, aber die Kolben gebraucht sind. Schaut Euch das mal an, das passt nicht wirklich zusammen.

Barrel:

Bild

Und jetzt die Kolbenoberseite:

Bild

Jepp, da steht wirklich Öl in der Tasche, wobei das könnte dem Grunde nach auch vom Kopf abnehmen gekommen sein oder vielleicht eine Korrosionsschutzmaßnahme?

Das barrel abzubekommen, war wirklich kein Spaß. Warum man auf die zölligen Stehbolzen der barrel-Verschraubung metrische Polystop-Muttern drauf würgen muss, das ist beim besten Willen nicht zu verstehen.

Und dann noch irgendeine Mumpe da mit hingeschmiert, das barrel ging ums Verrecken nicht ab. Bei einem eingebauten Motor kann man dann mit einem Flaschenzug oder einem Zurrgurt was machen, hier aber nicht. In der Vergangenheit hatte ich dann den Moder mit einem Vierkantrohr als Handgriff etwas angehoben und mit einem Gummihammer außen geklopft, bis sich das barrel bewegt hat.
Hier: no way.

Am Ende ist der Moder an der Bühne hochgezogen worden und mit viel Mühe unter Zuhilfenahme der Schwerkraft und eines Gummihammers, hatte es sich irgendwann bewegt.

Bild


Kolben sind Gandini aka GPM in +.020“, was in Sachen Maß schon mal gut ist.

Der Witz ist an den Kolben, dass sie eigentlich richtig gut aussehen, einer hat eine kleine Riefe von eingeschlepptem Dreck auf der Rückseite, ansonsten piccobello. Nicht die leiseste Spur von blow by-Verfärbungen, die Struktur vom Drehen sauber auf den Hemden zu sehen und zu fühlen.

Aber eine wirklich üble schmierige Schlonze oben auf den Domen drauf, Ölkohlebildung im Anfangsstadium.

Bild

Dann den Krempel ins Haus geschleppt und durchgewärmt bei Raumtemperatur.

Leider sind die Laufspiele jenseits von Gut und Böse, links sind es 20/100 mm an der weitesten Stelle, rechts ‘nur‘ 17/100 mm, allerdings sind beide Buchsen fassförmig gelaufen bis zu knappen 3/100 mm Unterschied. Das geht so nicht, da ist das nächste Übermaß fällig.

Wie schon geschrieben, am ehesten hat da einer einen Versuch unternommen, dem Moped das Öl saufen abzugewöhnen, vielleicht sogar mit neuen Kolben und hausgemachter Honung per Polenhone oder so eines Dreiarm-Hondingens. Nur, wenn die Buchsen schon Fassform angenommen haben, bringt das nichts.
Eine anständige Geometrie herstellen geht eben nur mit barrel aufs nächste Maß bohren und honen.

Aber wenn man sich die Kolbenböden so anschaut, war auch die quick and dirty-Lösung kaum von Erfolg gekrönt. Das Mädel hat sicher hinterher weiter tapfer gequalmt.


Schön sind die vorgefundenen Pleuel:

Bild

Es sind Alupleuel, augenscheinlich Frästeile, von MAP.
Marino sagt, er verkaufe die seit 20 Jahren nicht mehr, aber er konnte mit der passenden installation instruction aushelfen, so dass man die wieder montieren kann irgendwann in ferner Zukunft.

Der Schwung auf der Kurbelwelle hat auch jede Menge Bohrungen, wo man den Pleuels mit ihren geänderten Massen Rechnung getragen hat, allerdings sehen die Bohrungen absolut symmetrisch aus. Entweder war das ein perfekter Schwung, der Anno Tobak in Small Heath montiert wurde, oder die Wuchterei war statisch. Mal schauen.

Das war’s jetzt mal fürs Erste. Wenn Ihr wollt, kommen da noch mehr Beiträge.

Es gibt eine erkleckliche Anzahl vonm Lowlights zu zeigen. Da waren zum Teil echte Grobmotoriker zugange.

Ich musste beim weiteren Zerlegen die ganze Zeit an Agos Spruch denken, der da lautet: Murkser aller Länder vereinigt Euch.

Schöne Grüße

Ph.
Zuletzt geändert von Phil am Donnerstag 15. Januar 2026, 20:41, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
Mineiro
Manxman
Beiträge: 4049
Registriert: Mittwoch 26. Mai 2010, 13:41
Wohnort: Ditzingen bei Stuttgart

Re: BSA A65-Moder mit Überraschungen

Beitrag von Mineiro »

Hoi Phil,

Bitte weiter berichten ich lese deine Fäden sehr gerne auch wenn ich keine BSA habe. Man lernt immer was dazu :top:
- Das Beste was dir morgens passieren kann. Du wachst auf und bist gesund. Mach was aus dem Rest! -
Benutzeravatar
bosn
Flossenrocker
Beiträge: 8265
Registriert: Sonntag 6. August 2006, 01:02
Wohnort: 48607 Ochtrup

Re: BSA A65-Moder mit Überraschungen

Beitrag von bosn »

Danke fürs teilen !
Zeig doch mal den Kopp
Wäre schön wenn du Führungen /Schäfte /Spiel mal messen könntest

:halloatall:
Bos´n

Fahre Britische Motorräder! Rij engelse Motoren ! Kjor Engelsk !
Bike British ! Guida Inglese ! Roulez En Angelaise !
Benutzeravatar
Phil
SuFu Fetischist
Beiträge: 7894
Registriert: Samstag 5. August 2006, 16:20
Wohnort: Celle

Re: BSA A65-Moder mit Überraschungen

Beitrag von Phil »

Die Schäfte kann ich messen, Reinhard.

Die Führungen innen messen, bekomme ich ich nicht hin, ich hab' keine so kleine Innenmessschraube. Aber die Führungen sind kein Ding im Vergleich zu den Sitzen.

Grüße

Ph.
Benutzeravatar
Henrik
Manxman
Beiträge: 416
Registriert: Dienstag 1. August 2023, 22:54

Re: BSA A65-Moder mit Überraschungen

Beitrag von Henrik »

Phil,

zeig uns ALLES!

Dankeschön.
Benutzeravatar
Phil
SuFu Fetischist
Beiträge: 7894
Registriert: Samstag 5. August 2006, 16:20
Wohnort: Celle

Re: BSA A65-Moder mit Überraschungen

Beitrag von Phil »

Okay, wenn Ihr das wollt, könnt Ihr das haben

Der Moder hatte ich dann auf die Seite gewargelt, um das innter timing cover abzubauen.

Très chic ist die Inbus-Schlitzschraube.

Bild

Man nehme eine zöllige Inbusschraube in 1/4", dann dazu einen metrischen 4 mm-Inbusschlüssel, wenn man den Innensechskant dann so hoffnungslos rundgedreht hat, dass auch der passende zöllige Schlüssel mit 3/16" nicht mehr passt, feilt man einen Schlitz rein. Ganz toll. Aber es geht noch schlimmer, etwas später mehr dazu.

Die Schrauben, die den inner timing cover halten, waren bis auf die drei äußeren Schrauben, alles Kreuzschlitzschrauben, so wie sie in Small Heath verbaut wurden, aber mit sowas von verhunzten Köpfen, dass es einen graust.

Bild

Wie man ein inner timing cover auf die Tour verhunzen kann, das ist mir neu. Sowas hatte ich bis dato noch nie gesehen. Der stolze Besitzer des Moders, also mein Kumpel, mutmaßt, da habe einer ein Werkzeug im Moder vergessen und einfach zugeschraubt. An der Stelle ist nichts hinter dem Deckel außer der Ölpumpe.
Die Ölpumpe ist noch eine originale aus dem Zink-Mazac-Zeuch, die hat ihre besten Zeiten sicher auch schon hinter sich.

Bild

Auch ein Lowlight sind die Enden des kicker shaft und der Schaltwelle.

Bild

Aber das ist alles noch vergleichsweise harmlos.

Der Moder kam aus einem 68-iger Modell, also das alte Gehäuse ohne Abgang für den Öldruckschalter und mit den BSCyc.-Gewinden für die ganzen Deckel.
Jetzt muss aber irgendwann das alte Gehäuse mal gestorben sein, vielleicht durch ein gerissenes Pleuel.

Dann wurde ein Austauschgehäuse ohne Modernummer verbaut, das aber schon den Abgang für den Öldruckschalter und auch den 1/2" UNC-Stopfen vorne hat, um die Kurbelwelle auf den ZZP festzulegen, also ein 1969-iger Gehäuse.
Diese Gehäuse haben da schon 1/4" UNC-Gewinde für den ganzen Deckelkram bekommen. Das ist eh netter bzw. die technisch bessere Lösung, weil die feinen Cycle-Gewinde reißen leichter aus als die groben UNC.

Nun beginnt der wirklich zu Herzen gehende und geradezu tragische Teil meiner Geschichte...

So, wie sich das darstellt, hat es zwar für ein neues Modergehäuse gereicht, aber eben nicht für neue Schrauben mit dem richtigen Gewinde für die Deckel.
Jetzt hatten diese Grobschlosser wohl einfach die alten Cycle-Schrauben weiter verwendet und da reingewürgt. Wie das gegangen sein soll, bleibt ein Rätsel.

Wie war das? Murkser aller Länder vereinigt Euch! :facepalm2:

Stellenweise haben die dann sogar noch auf die zölligen Inbusschrauben ein M6-Gewinde frei Hand schief und schepps drauf gewürgt. Erstens muss man mal auf solche Ideen kommen, und dann muss man so einen Stuss dann auch noch machen.
Altaaaa....

Bild

Und spätestens da bekommt man echte Gewaltphantasien beim Zerlegen. :shock:

Das wird wohl darauf rauslaufen, eine Familienpackung 1/4" UNC-coils zu kaufen und die ganzen Gewinde für den inner und outer timing cover im Kurbelhaus zu coilen, weil anders wird das nicht gehen, zumindest fällt mir nichts ein.

Mal schauen, wie es auf der linken Seite am Primärdeckel aussieht, mir schwant allerdings, dem wird da genauso sein.

Dagegen ist die Getriebenebenwelle ohne Axialspiel eine lässliche Sünde, erst recht weil das linke Nadellager sowieso einen halben Millimeter zu hoch sitzt und dazu noch ein grottiges pattern parts-Ding mit zu wenig Nadeln ist.

Bild

Schöne Grüße

Ph.
Benutzeravatar
Mucks
Manxman
Beiträge: 778
Registriert: Sonntag 7. Juni 2015, 17:46
Wohnort: Suderburg

Re: BSA A65-Moder mit Überraschungen

Beitrag von Mucks »

Das war ja eine kurze Winterpause. Aber besser kalte als juckende Finger :zwinker:
Ich bin gespannt was Henze sagt, ab welchem Maß das barrel wieder zwei gleichgroße, runde Bohrungen hat. Evtl. reicht es dann die Kolben zu beschichten. Das ist aber auch teurer geworden und liegt jetzt preislich über einem neuen Gandini Kolben :facepalm2:
Grüße,
Marijan
Benutzeravatar
Phil
SuFu Fetischist
Beiträge: 7894
Registriert: Samstag 5. August 2006, 16:20
Wohnort: Celle

Re: BSA A65-Moder mit Überraschungen

Beitrag von Phil »

Winterpause? Eher nicht, nach dem Moder ist vor dem Moder. \:D/

Naaa, Marijan. Die Beschichterei macht nicht wirklich Sinn.

Es gibt noch mindestens 2 weitere Übermaße, wenn das barrel halbwegs gut gegossen ist, dann kann man das auch auf +.080" bohren.

Und ein Satz Kolben mit guten Ringen liegt bei 160,- oder 170,- Mäusen.

Die Gandinis kann man weglegen, falls man tatsächlich mal ein barrel im Standardmaß in die Mache bekommt.

Schöne Grüße

Ph.
Antworten