Die Mopedjahre gingen vorbei und ich wurde 18. Ich hatte die Vollgasjahre überstanden und wandte mich der Erwachsenen KFZ Technik zu.
Mein Bruder bekam 2 Jahre zuvor einen nagelneuen Ford Fiesta in rot. Mit 45 PS. Ich hingegen bekam mal wieder das Schnäppchen von Nebenan…. Ein Nachbar war bei einer Versicherung und er schwatzte irgendwem einen Kadett D mit Schaden ab. Vorderer Kotflügel, Beule im Holm… egal. Jedenfalls gehörte der Karren fortan mir. 600 DM hat mein werter Vater gezahlt. Ich fragte mich allerdings, warum mein Bruder KFZ technisch immer einen Vorsprung hatte… Sei es drum, dafür hatte ich 60 PS in meinem Jamaikagelben D…
Das erste was ich mir besorgt hab war ein Sportlenkrad vom GTE. Erhebend. Ich streckte gerade in meiner Schlosser-Lehre und wollte eigentlich was Sportlicheres. Also… Motorräder interessierten mich zur Zeit wenig… Jedenfalls quengelte ich ziemlich rum von wegen „ich nur alten Schrott, Roland (mein Bruder) immer neues“ Meine Eltern verstanden mich gar nicht. Und dabei musste ich jeden Samstag und auch in der Woche nachmittags im Baubetrieb meines alten Herrn aushelfen. Tja, Luxusgüter (Mofa, Moped, Auto) haben ihren Preis und machten dabei ein wenig abhängig. Will sagen… die Argumente für eine Ablehnung der Familienversklavung waren eher dünn… Aber erst mal meine Lehre.. Ich holte immer drei Leute ab und dann ging es von Schalksmühle nach Lüdenscheid in die Lehrwerkstatt. Eines Tages fuhr ich mit meinem Jamaikagelben Kadett und zwei Freunden Richtung Heimat. Da gab es eine Abkürzung auf sehr engen Straßen mit wilden Kurven. Ich war mal wieder viel zu schnell. Ich hab mich wohl verschätzt. Jedenfalls bemerkte ich ein wenig Geschwindigkeitsüberschuss und bremste hart. Leider direkt vor einer 90° Kurve und auf Rollsplitt. Ich mähte den Stacheldrahtzaun um und befand mich zwischen zwei Bäumen und ca. 10 Kühen. Mein Reifen war platt und wir wechselten in Rekordzeit das Rad, setzten zurück und… da kam der Bauer auf seinem Fendt vorbei. Jedenfalls war er recht nett und er meinte, er würde am Nachmittag zurück kommen und wäre erfreut, wieder einen Zaun vorzufinden. Zur Sicherheit notierte er unsere Namen, wäre aber auch egal gewesen, denn im Dorf kennt man sich ja…Was nun? Also einen der Kollegen haben wir da gelassen, damit die Kühe auf der Wiese blieben. Anderer Kollege und ich sind dann los um die Kavallerie zu holen. Ein Freund hatte einen Vater, der einen Gartenbau hatte. Er gab uns dann vier Pflöcke, eine Rolle Stacheldraht, Hammer und Krampen. Der Zaun stand ruck zuck wieder und war natürlich deutlich schöner als der umgemähte.
Meine Quengeleien zeigten übrigens Wirkung. Vielleicht hatte es auch damit zu tun, dass mein Vater meine (recht neue) Freundin nett fand. Jedenfalls bekam ich meinen gewünschten Kadett D 1,6 SR mit diabolischen 90 PS. Als erstes besuchte ich den lokalen Schrottplatz und fand dort einen Irmscher Heckspoiler an einem ausgebrannten GTE. Na ja, der Spoiler war angeschmort, dafür aber günstig. Mein Interesse an Autotuning stieg rapide an. Und das nächste Projekt war eine amtliche Tieferlegung. Meine Freundin hatte eine Schwester, die studierte in Bielefeld. Die wollten wir besuchen fahren. Ich Trottel nahm natürlich die falsche Autobahn… Anstelle der A2 nahm ich die A44. Irgendwann bei Lippstadt bemerkte ich meine Faux Pas und nach Befragung des ADAC Kartenwerks wollte ich die A33 nehmen. Na ja.. ich war natürlich in Eile, denn wir hatten viel Zeit gelassen. Also Gas (wozu hat man denn 90 PS?) Jedenfalls wusste ich zu der Zeit nicht, dass die A33 noch im Bau befindlich war. Und da ich vor Eitelkeit meine Brille nicht mehr trug war die Sicht (es war schon dunkel) eingeschränkt. Ehrlich…. Ich hatte doch keine Chance. Die Schilder 120 – 80 – 50 – 30 hab ich nicht gesehen, auch nicht die 180° Kehre, die das Ende der Ausbaustrecke markierte… Wie ich oben schrieb, ich interessierte mich für eine Tieferlegung. Gut, es hätten nicht direkt 2 Meter sein müssen. Wir schlugen auf so nem Schotterberg auf und es war Ruhe. Ich bin schnell ausgestiegen, meine Freundin angeranzt sie solle mithelfen. Auto ausgraben.
Ich räumte mit meinen Händen den Kies beiseite, bis von oben ein Typ mit Taschenlampe rief, ich solle es lassen. Was folgte war der ADAC und eines dieser Telefonate, die man so liebt als Sohn: Es war schon gegen 22:00 Uhr und Handys? Nö. In der Raststätte, wohin uns der ADAC Typ schleppte den Hörer genommen und „Papa….kannst Du…..“
Ich erinnere mich, er sprach kein Wort mit mir. Seine Strafe für mich war übrigens ganz subtil.
Er ging am nächsten Tag mit mir zu so ner freien Tankstelle mit Autohandel. Er kannte den Besitzer locker. Jedenfalls fragte mein Vater wohl nur, welcher Wagen technisch in Ordnung sei. Der Typ schaute kurz und zeigte auf meine künftige Karosse. Ein Opel Manta CC (Combo Coupé mit Schrägheck) und 2 Liter Maschine. Ich war recht geknickt, denn es war die große Zeit der Mantawitze… Sei es drum. Ich war wieder mobil und ich muss gestehen, Fahrspaß bot das Teil. Ich musste zu der Zeit immer wieder zu Schulungen nach Gelsenkirchen. Da saugte die Karre 17 Liter/100km. Der zweite Gang ging bis 100, etwas, das ich gerne mal allen zeigte. Das Getriebe hat es nicht gedankt.
In Gelsenkirchen hatte ich mal einen massiven Auspuffverlust. Das hörte sich höllisch an. Und na ja…auf dem Stadtring habe ich dann extra ein wenig erhöhtes Standgas an der Ampel probiert. Der grün-weiße Passat fand das nicht so gut. Ich bekam eine Mängelkarte, 80,- DM Strafe und musste, da ich keinen Führerschein bei mir hatte, zur Vermeidung weiterer 20,- DM später zur Polizeiwache, ihn vorzeigen. Wir waren 4 und einer aus Mühlheim an der Ruhr machte nur Faxen. Am Polizei Tresen fragte er den älteren Beamten, was der Typ da auf dem Fahndungsfoto ausgefressen habe.. Es war das Bild von Richard von Weizsäcker…. Der ältere Beamte war fassungslos und stammelte nur was von wegen „Das ist doch der Bundespräsident“
Aber ich wollte eigentlich über Motorräder schreiben. Rückblickend bin ich ganz froh, dass ich erst nur Auto gefahren bin. Ich weiß nicht, wie lange mein Motorrad gehalten hätte?
Ein bisschen zurück: Es war dieses legendäre Werner Rennen. Da sind wir zu 12 in drei Autos hingefahren. Der Stau begann schon kurz hinter Dortmund. Und es sollte sich nicht mehr groß ändern. Wir saßen mit unseren Hansa Pils Paletten im Auto, Zelt im Kofferaum und der Verkehr ging gar nicht. Wir kamen im Elbtunnel zum stehen. Mein Auto lief nicht mehr. Der freundliche ADAC Mann meinte nur, sie könnten gerade nicht. Es wäre zu viel los. In meiner Not habe ich dann im Motorraum das beschädiggte Zündkabel selbst gefunden. Dick Isolierband und gut war. Wir kamen in der Nacht nicht mehr bis Hartenholm. So ca. 30 km vorher wurden wir auf eine Wiese geleitet. Da war so ein Angeber, der beschallte uns und alle anderen die ganze Nacht mit so nem komischen Zeug. Alle waren genervt und haben ihn angesprochen, er solle doch endlich mal leise drehen. Er tat es nicht, gab nur dumme Sprüche.
Am nächsten Morgen sprang sein auto nicht mehr an. Batterie leer. Hehe.. ALLE sind einfach losgefahren und er stand da ohne Saft auf einer Wiese in Schleswig Holstein...
Zum Werner Rennenselber ist alle schnell gesagt. Alles super. Ich bin dort das erste Mal ein Höllengerät gefahren... Da standen ja gefühlte Millionen Motorräder rum. Und alle Typen rasten da hin und her, ohne Helm, zu dritt auf einem Motorrad, mit Bierdosen, gröhlend... Die Polizei hatte sich frühzeitig ergeben und winkten freundlich. Die Deeskalationstaktik fand ich gut. Jedenfalls war da ein Typ, der war schon voll. Der gab mir seinen Schlüssel,ich solle ihn mal eben zum Klo fahren. Er hatte eine GPZ 900R. Das schnellste Motorrad, das ich bis dahin gefahren bin. Mit dem bsoffenen hinten drauf schön Gas im Slalom durch die Masse.Im Rückblick mach ich mir schon Sorgen...
Zumindest hatte ich wieder Lust auf Mopeten.
I der Zeit war mein Bruder beim Bund und brauchte seine XJ 900 nicht. Das Teil war ganz ok, aber nicht spektakulär. Danach bekam ich eine XJ 600. Die fuhr ich recht lange, bis ein Freund mit dem Ding einen Unfall hatte. Ich hatte die XJ verliehen. Zum Glück war er nicht schuld. Vom Geld (und etwas von der Bank) kaufte ich mir eine neue Suzuki. Eine 400er Bandit. 400cc! Ich bin immer weiter abgestiegen, ohne es zu merken. Das Teil hatte knappe 70 PS in der ganz offenen Version und drehte so bis 12000…. Jedenfalls setzte ich mich dann doch damit auseinander. Ich mochte die Karre nicht lange. Ein Freund hatte eine Moto Guzzi und ich wollte dann wohl doch eher so etwas. Ich kaufte mir jetzt Motorrad Classic. In einem Hein Gericke Katalog fand ich dann einen Artikel über eine Triumph Trident. Hinckley war frisch am Markt und die verglichen eine Trident 750 mit einer alten T160. Das war die Initialzündung für meine Triumph Karriere. Aber das kommt leider erst in Teil drei. Meine Suzi ging jedenfalls weg und ich legte mir eine Triumph Baustelle zu. Ich hatte jetzt nichts zu fahren, denn ich hatte schon länger kein Auto mehr. Mit dem Bus konnte ich locker in meine Firma fahren und da ich mittlerweile mitten in der Stadt wohnte, war es für den Führerschein ganz gut, denn ich ging eigentlich jeden Abend in meine Stammkneipe…
Irgendwann stand dann im örtlichen Anzeigenmarkt eine Moto Guzzi 850 T3. 3900 DM. Ich war der erste dort und sollte mich abends melden. Das tat ich und der Mann sagte, es haben ihm Leute mehr geboten (war ja „VB“) und ob ich denn auch 4200,- zahlen würde…
Ich war jetzt stolzer Besitzer einer Moto Guzzi. Sie hatte eine Polizia Verkleidung, die ich direkt am ersten Tag abschraubte und einem Freund schenkte. Der baute sie an sein MZ ES Gespann. Die Moto Guzzi war unspektakulär. Ich hatte eine Freundin in Dortmund. Da bin ich direkt mit hin gefahren. Alles toll. Mit der Guzzi fuhr ich nach Italien zum Guzzi Treff, durch Schottland, durch Südengland. Mit ein paar Freunden aus Werl (ich wohnte mittlerweile in Hamm) fuhr ich regelmäßig auf irgendwelche irren Treffen. Irgendwo bei Hanau gab es die Highland Games. Da traten wir als Selbsthilfegruppe Werl auf. Die Spiele selber waren eher nebensächlich. Im November fuhren wir immer zum Klepenjeger in Holland. Das war auf so einer Crossbahn. Im Zelt gab es den Uitsmijter.. Das war Brot mit Schinken und Spiegelei. Der Kerl hinter dem Tresen haute immer mit der Faust drauf und das Ei lief überall raus… bäh
Viel kann ich jetzt gar nicht mehr schreiben, denn die Moto Guzzi war prima und lenkte von meiner mittlerweile in der Garage stehenden Triumph ab. Aber irgendwann kommt alles zu einem Ende… Und das ist hier erreicht…
Wie alles begann #2
- Martin
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Wie alles begann #2
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When a motorcycle is actually ridden, it takes on a similar "patina" of use
Craig Vetter
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- jan
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Re: Wie alles begann #2
Auf dem Bild gehst Du locker als 13-jähriger durch!
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- Mateo
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Re: Wie alles begann #2
Hahahahaaaaaaaaaaaaaaa
Sensationell, bitte weitermachen...... Oh Mann, da werden Erinnerungen wach, evtl. finde ich auch mal die Zeit, die eine oder andere Anekdote zusammenzufassen.
Ist aber schon interessant, wie ähnlich sich manche Leben sind, auch wenn man sich noch nie gesehen hat und in einer völlig anderen Gegend wohnt.
Die seltsame Opel / Yamaha-Kombi kenne ich nur zu gut, ging bei uns aber schon mit B-Kadett und DS 5 bzw. 7 und der guten alten XT los und mit Ascona und Rekord weiter.
Ich hatte mal einen 1900er C-Rekord Cupee, für DM 250.-, der Schalthebel war ca. 40 cm lang und verchromt! Ich habe mein komplettes Zivi-Salär in Getränke investriert, schön 50/50 aufgeteilt, eine Hälfte der Kohle für Rekordi, die andere für mich!
Was ich definitiv sagen kann, lustiger als heute war es damals auf jeden Fall ! Mit der XT mit einem 8,5 Liter-Tank nach Portugal und wieder zurück, da kam keine Langweile auf, macht ca. 40 Mal Tanken in 30 Tagen, höhöhö.
Also, ich warte auf Teil 3!
Mateo
Sensationell, bitte weitermachen...... Oh Mann, da werden Erinnerungen wach, evtl. finde ich auch mal die Zeit, die eine oder andere Anekdote zusammenzufassen.
Ist aber schon interessant, wie ähnlich sich manche Leben sind, auch wenn man sich noch nie gesehen hat und in einer völlig anderen Gegend wohnt.
Die seltsame Opel / Yamaha-Kombi kenne ich nur zu gut, ging bei uns aber schon mit B-Kadett und DS 5 bzw. 7 und der guten alten XT los und mit Ascona und Rekord weiter.
Ich hatte mal einen 1900er C-Rekord Cupee, für DM 250.-, der Schalthebel war ca. 40 cm lang und verchromt! Ich habe mein komplettes Zivi-Salär in Getränke investriert, schön 50/50 aufgeteilt, eine Hälfte der Kohle für Rekordi, die andere für mich!
Was ich definitiv sagen kann, lustiger als heute war es damals auf jeden Fall ! Mit der XT mit einem 8,5 Liter-Tank nach Portugal und wieder zurück, da kam keine Langweile auf, macht ca. 40 Mal Tanken in 30 Tagen, höhöhö.
Also, ich warte auf Teil 3!
Mateo
T140V und 955i Tiger
Später ist in der Zwischenzeit Jetzt !
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