JZR-Schrauber hat geschrieben:Ja, die AJSler haben mit der Schmierung der Kipphebel einen genialen Pfusch fabriziert. (...) Und nun muß man sich den Weg des Öls vom Drehschieber, der den Saft an die Kurbelwelle und zum Kopf verteilt, auf der Zung zergehen lassen. Das Öl muß nämlich vom Drehschieber in den Spalt zwischen Zylinder und Kurbelgehäuse, genauer in den Ringspalt, der entsteht, weil der Zylinder unterhalb der Kühlrippen so eine komische umlaufende Nut aufweist.
In dieser Nut geht es knapp eine halbe Runde um den Zylinder in eine Bohrung, die wieder in einer Tasche mündet, die mit ihrem Gegestück in der anderen Gehäusehälfte einen Verteilerkanal bildet, von dem die Bohrungen nach oben zu den Kipphelbeln führen.
Wenn nun der Motor heiß wird, dann wir es auch das Öl, und das quittiert es mit Dünnflüssigkeit.
Dadurch nimmt es aber dankbar jeden noch so kleinen Spalt als Ausflucht um nicht gegen einen noch so kleinen Druck irgendwohin zu laufen, wo es hin soll, aber nicht will. Die Konstruktion der Kipphebel und ihrer Exzenterachsen gibt Auskunft, daß die Briten es mal ordentlich angefangen hatten mit diesem Motor. Das Öl soll in eine Nut im großen Lagersitz des Exzanters und von dort durch eine schräge Bohrung zwischen die Lagerbuchsen der Kipphebel.
Manche ältere Kipphebel tragen sogar noch so eine Art Blutrinne, die das aus dem Lagerspalt austretende Öl zum Kontaktpunkt mit dem Ventil geleiten soll.
Allerdings hatten die Insulaner offenbar auch die Erfahrung der Überölung der Kopfmechanik gemacht.
Denn sie haben auf halbem Weg nach oben Bypass-Bohrungen gesetzt, die das Öl mehrheitlich gleich in die Löcher für die Stößelstangen ablaufen lassen.
Ein heikles Gelichgewicht, das durch die verkorksten Köpfe und die daraus resultierende geringe Viskosität des Öls gestört worden war.
Moment, Moment, Moment - mal langsam mit den jungen Gäulen! Erstens stimmt es teilweise nicht, was Du da schreibst, zweitens ist die Ölversorgung in den Rocker boxes beim AMC-Twin bei weitem nicht so unzulänglich wie beschrieben.
Also: das Öl läuft unten an den Zylindern nicht in irgendeiner ominösen "Ringnut" an den Zylinderfüßen entlang, sondern wird je nach Stellung des "oil distributors" entweder zur Kurbelwelle oder, durch insgesamt vier Steigleitungen, hoch zu den Rocker boxes gedrückt. Da gibt es eine schmale "Ölgalerie", die aber im Kurbelgehäuse und damit allenfalls in der Nähe der Zylinderfüße sitzt und nicht deren Bestandteil ist. Was die Zylinder selbst betrifft: unterhalb der Kühlrippen gibt es nur noch die Laufbüchse, die beim AMC-Twin sehr weit ins Kurbelgehäuse hineinragt - eine Nut, einen Ölkanal o.ä. gibt es da aber nicht.
Die von Wilhelm angeführten Reduzierhülsen in den Zylinderköpfen hat es in manchen Jahrgängen gegeben, in anderen nicht - ob sie nun, quasi als Venturi, die Strömungsgeschwindigkeit des Öls erhöhen oder einfach nur den Ölzufluss reduzieren sollten, wird auf ewig das Geheimnis von AMC bleiben. Jedenfalls habe ich beide Typen von Köpfen schon auf meinem Motor drauf gehabt, und blau gequalmt und Unmengen von Öl gefressen hat der Motor weder in der einen noch in der anderen Konfiguration.
Fakt ist meines Erachtens: ohne Reduzierhülsen mag der Motor oben in den Rocker boxes mehr Öl und weniger Öldruck haben - aber das überschüssige Öl vermag (nämlich durch die Stößeltunnel) schnell genug abzulaufen, und den Kipphebelwellen genügt ein sehr kleines und druckarmes Quantum an Öl (eigentlich sogar der sprichwörtliche "Ölnebel") für ausreichende Schmierung. Umgekehrt lassen auch die Reduzierhülsen genug Öl für ausreichende Schmierung durch, und zusätzlichen Öldruck erzeugen sie auch kaum.
Aus leidvoller eigener Erfahrung: das einzig wirklich Wichtige ist, dass die Ölsteigleitungen frei sind und keine Fuß- oder Kopfdichtung oder gar irgendeine Dichtpampe den Weg des Öls nach oben versperrt. Dann gibt´s im Kopf nämlich Kleinholz - na ja, eingelaufene Kipphebelwellen halt. Aber auch das erst nach vielen hundert Meilen Fahrt, mit hohen Drehzahlen (mein Motor fing damals immer oberhalb von 65 mph aus der Zylinderkopfregion so leise zu klappern an, darunter war Ruhe. Irgendwann waren die Wellen dann mal im Ar...).
JZR-Schrauber hat geschrieben:Meine Abhilfe war, die Ölversorgung der Kipphebel wieder so zu machen, wie sie ursprünglich offenbar mal vorgesehen war. Allerdings mit der Folge von blauem Nebel aus den Auspuffen, daß es mit "Umweltverschmutzung" nicht mehr zutreffend beschrieben ist.
Sorry, aber da hast Du dann also wirklich etwas "verschlimmbessert", wovon Du vielleicht doch besser die Finger gelassen hättest...