Getriebeübersetzung - Meinungen bitte!

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Martin
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Getriebeübersetzung - Meinungen bitte!

Beitrag von Martin »

Mein Brüderchen hat sich nun (weil ich eine habe) ebenfalls eine 1000er Ducati Monster zugelegt. Technisch hat der Kaufmann nichts drauf und so stehen wir immer in regem Austausch des Frage/Antwort Spiels.
Natürlich kann ich nicht alles beantworten, kürzlich aber waren wir beim Thema Übersetzung. Für die nicht Detailkenner sei angemerkt, dass die nominell 84/92PS (je nach Messmethode) starke 1000er Monster Einspritzer mächtig Drehmoment hat aber die Getriebeabstufung bzw. die Gesamtübersetzung auffällig unrund ist. Im Alltag ist der 6. Gang quasi nutzlos und der 5. für normales fahren nicht in sämtlichen Situationen fahrbar.

Da wird schnell an der Sekundärübersetzung gewirkt, unsere liebe Eva riet mir als sinnvollen Weg die Erhöhung hinten um 2 Zähne (statt der naheligenden 3)
Dies ermöglicht zumindest den Dauerbetrieb des 5. Gangs, da man übliche Landstraßengeschwindigkeiten dann ruckfrei und mit Drehmomentreserve fürs rausbeschleunigen erhält.

Mein Bruder nun sucht ja immer Haare und hat mir gestern dann mit einem gedachten HAH! die folgende Betrachtung vor die Füße geknallt.

Meine Meinung dazu ist erstmal grob gesagt, dass dieser Ansatz in der Theorie durchaus schlüssig sein KÖNNTE, sofern man davon ausgeht dass das Ziel ist, in allen Gängen Vollgas zu fahren und auszudrehen.

Angemerkt sei noch bzgl. der Duc, dass sich diese 84/92PS so üppig anfühlen, dass man sie gut zwischen 3500 und 4500/5000 fahren kann, ohne dass es sich komisch anfühlt. Ich bin eher im Dauerbetrieb um die 4000 unterwegs, was mich dann schon über die max erlaubte Geschwindigkeitssphären schiebt (dass ich auch mal 120 außerorts fahre, räum ich durchaus ein)

Also lest mal die Abhandlung und schreibt Eure Einschätzung. Vor allem interessieren würde mich auch Tims Ansicht, da er das aus fachlicher Sicht sowohl theoretisch als auch praktisch begründen könnte.
An diese Stelle habe ich es gesetzt, das das Thema Übersetzung ja universell gilt und gerade unsere langhubigen Schüttelböcke da so ihre Potentiale in alle Richtungen besitzen :halloatall:

https://vielzutun.ch/wordpress/?p=1553
When a motorcycle is actually ridden, it takes on a similar "patina" of use

Craig Vetter
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edwardturner
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Re: Getriebeübersetzung - Meinungen bitte!

Beitrag von edwardturner »

ich halte diese Abhandlung für durchaus fundiert und stimmig.

und auf jeden Fall unterschreiben würde ich eines der Fazits des Autors:
Zitat: "Es wird – glaube ich – wohl klar, daß ich derartige Manipulationen bei einer Maschine wie der Monster 1200S für ziemlich sinnlos halte." Zitat Ende.

Das gilt meines Erachtens nicht nur für die Monster 1200S mit ihren 145PS sondern auch für alle anderen leistungsstarken modernen Motorräder die in unserem Straßenverkehr doch zum größten Teil eher am untersten Ende ihrer Leistunsfähigkeit bewegt werden.
Der sechste Gang ist praktisch überflüssig? Kein Wunder wenn damit Höchsgeschwindigkeiten von 220-250km/h erzielt werden sollen. Wo will man das fahren? Die Maschine zieht beim Überholen im letzten Gang nicht so wie ich mir das vorstelle? Na dann schalt' ich halt ein oder zwei mal runter!

Bei unseren alten Möhren siehts da schon anders aus. Da übersetzt man halt so daß in dem hauptsächlich genutzten Geschwindigkeitsbereich das Fahren möglichst angenem ist: Geräusch- und Vibrationspegel möglichst niedrig halten ohne zuviel Beschleunigungsvermögen einzubüßen. Das muß jeder für sich, seine Maschine und seine Fahrgewohnheit individuell optimieren.

Gruß
Eddie

und das geht ja mal gar nicht: [carton]
Martin hat geschrieben:dass ich auch mal 120 außerorts fahre, räum ich durchaus ein
:mrgreen:
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holsteiner
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Re: Getriebeübersetzung - Meinungen bitte!

Beitrag von holsteiner »

Diese überlangen Übersetzungen wurden doch nur erfunden, um die Geräuschvorschriften einhalten zu können. Ergo: Ändern.
Grüße, Detlev

Motorräder? Ja, ein paar Baustellen...
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jan
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Re: Getriebeübersetzung - Meinungen bitte!

Beitrag von jan »

Sehe ich anders als Du, Detlev (was das "Ändern" betrifft), bin da eher bei Eddie.

Mit meiner Indian FTR erledige ich (fast) alles im 6. Gang, da spielt schon ab 1.800/min ruckfrei die Musik, und ab 2.000/min kann man bedenkenlos voll aufziehen. Und der Motor zieht wie ein Ochse. Da ist die "überlange" Übersetzung keinerlei Nachteil - eher im Gegenteil.
Zwischen 4.000 und 5.000/min im Sechsten bin ich schon ziemlich schnell unterwegs, zwischen 100 und 130 km/h... das langt für praktisch alle Landstraßensituationen.
Der rote Bereich auf dem DZM beginnt bei 9.000... :surpris:
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Tim
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Re: Getriebeübersetzung - Meinungen bitte!

Beitrag von Tim »

Martin hat geschrieben:Also lest mal die Abhandlung und schreibt Eure Einschätzung. Vor allem interessieren würde mich auch Tims Ansicht, da er das aus fachlicher Sicht sowohl theoretisch als auch praktisch begründen könnte.
:-k Was'n getz' die Frage? :gruebel:

Ob der Kollege irgendwas flasches geschrieben hat? Hm, ich hab's nur überlogen, aber eher nö, passt scho'. Ist halt viel Wort für eine relativ triviale Sache. Aber im Grundsatz schon richtig - aber eben auch Dein Gedanke, dass die Sache etwas anders aussieht, wenn man eher mit Teillast rumgondelt aus dem irriwtzigen Drang, doch noch so halbwegs in Sichtweite der StVO zu bleiben. Wenn man andererseits in den oberen Ligen motorspochtelt, sieht's auch wieder anders aus, da wird schon die Getriebe-Charaktersitik auf die jeweilige Strecke angepasst. In den Zeiten, in denen die F1 noch ein Multi-Milliarden-Markt war, hatten wir für jeden einzelnen Gang diverse Optionen, ebenso für die Endübersetzung

Klitzekleine Anmerkung noch: Der Sermon glit nicht 100%ig ür ausnahmslos alle "Zweirädern mit quer zur Fahrtrichtung liegender Kurbelwelle" mit "Ritzel, Kette, Kettenrad". Die Duc hat keinen direkten Gang, bei den meisten Britboxen ist der Vierte der direkte, d.h. die Übersetzung wird etwas anders berechnet - falls das jemand mal selbst nachbasteln will in einer Tabellekalkulation z.B.


Tim
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Re: Getriebeübersetzung - Meinungen bitte!

Beitrag von Norton »

In der Ducati-Gemeinde herrscht die ziemlich einhellige Meinung, dass sie alle zu lang übersetzt sind.
Hinten zwei Zähne mehr wird man wohl kaum merken, ich würde sagen vier Zähne mehr.
Meine 750er und die 696 meiner Freundin habe ich beide so übersetzt und die Motorräder fahren sich damit wesentlich runder.
Höchstgeschwindigkeit spielt so ehr die mindere Rolle, weil wer fährt schon mit so einem Motorrad (Sitzposition und die breite Segelstange) wirklich schnell? Überhaupt sehe ich bei den Monstern nicht unbedingt einen Sinn darin, die immer weiter aufzupowern, weil so ein Motorrad mit mehr Leistung nicht automatisch wirklich schneller wird. Die Stärke der Monster sind das niedrige Gewicht, der niedere Schwerpunkt und das gute Fahrwerk. Kann man Fahren, ist man auch mit wenig Leistung schnell.
Ein andres Problem ist oftmals die Synchronisation. Zündung ist bei den Einspritzern ja mal kein Problem, die läuft synchron, hat man gar keinen Einfluss drauf (anders bei den Vergaser-Monstern). Aber die Drosselklappen können unterschiedlich laufen und dann wird langsam Fahren zum Problem.

Gruß. Martin.
Jung sein ist keine Frage des Alters.
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Martin
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Re: Getriebeübersetzung - Meinungen bitte!

Beitrag von Martin »

jan hat geschrieben:Sehe ich anders als Du, Detlev (was das "Ändern" betrifft), bin da eher bei Eddie.

Mit meiner Indian FTR erledige ich (fast) alles im 6. Gang, da spielt schon ab 1.800/min ruckfrei die Musik, und ab 2.000/min kann man bedenkenlos voll aufziehen. Und der Motor zieht wie ein Ochse. Da ist die "überlange" Übersetzung keinerlei Nachteil - eher im Gegenteil.
Zwischen 4.000 und 5.000/min im Sechsten bin ich schon ziemlich schnell unterwegs, zwischen 100 und 130 km/h... das langt für praktisch alle Landstraßensituationen.
Der rote Bereich auf dem DZM beginnt bei 9.000... :surpris:
Alles schön und gut, nur ist die FTR keine Ducati und somit nicht vergleichbar.
Meine Frau hat eine Z900 mit gut 130 PS, 4 Zylinder, 6 Gänge. Du kannst das Ding selbst im 6. Gang mit 50 fahren und dann ruckfrei hochziehen.
Die Motorauslegung ist so perfekt, dass Du noch nicht mal irgendwo Vibrationen hast. Wenn man so was will... Da käme ich nie auf die Idee an der Übersetzung zu drehen.

Norton-Martin hat es richtig schon geschrieben. Eine Monster ist definitiv nicht zum schnell fahren gemacht. Jedenfalls nicht über längere Zeit.
Das ist ein marzialisches brachiales Angeberfahrzeug für Poser, die gerne auf einem schüttelnden Haufen Kraft sitzen wollen.

Meine 05er Monster 1000 ist trotz des angestaubten Designs immer noch zeitlos und stark auf kurvenreicher Strecke. Tolles Fahrwerk. Mein Bruder hat nun eine 06er Monster 1000 mit der Einarmschwinge, fahrwerkstechnisch in Serientrimm eine Evolutionsstufe, aber auch keine Neuerfindung.

Die Motoren sind auf Drehmoment getrimmt, 2 Zylinder, 1000 ccm. Da fehlt es an Laufruhe und man hat trotz des Drehmoments ein wenig nutzbares unteres Drehzahlfeld. In kleinem Gang geht es unter 3000U/min, aber schon im dritten wird es etwas ruckelig, obwohl meine ganz gut eingestellt ist.
Man kann da was über das Mapping machen, aber wird von Ducati Werkstätten ungern angeboten. Was ja auch nachvollziehbar ist.

Das ist für mich ja das Schöne, dass mit der Duc noch so ein bisschen alte Zeit dabei ist, wo man mit Feinabstimmung und Übersetzung noch einiges machen kann. Bei der Z meiner Frau... klar, da macht das gar keinen Sinn mehr.
Zumal ich hier Eddie beipflichte, der sagt dass die Leistungen heutzutage fern von Sinn und Vernunft liegen. Bei Autos ebenso.

Früher, Ende 80er am Kadett. Da hatte man als 75 PS Treiber schon höheren Durchschnitt und so ein 112 PS GTI war eine Waffe.
Was hat man da für Aufwand getrieben, um so 10 - 15 PS zu finden. Der Bruder eines Fußballkollegen (B Jugend) hatte einen Manta 2,0E. Der hat uns nach nem Spiel abgeholt und hat dann die lange Gerade genommen und die Tachonadel schlug unten am Begrenzer an.. (Der war völlig irre) 170PS hatte er.
Heute geht man mit dem FInger über die Ausstattungsliste beim Golf und findet da Motoren mit 200PS+. Leistung ist quasi witzlos geworden. Damals war das ein Spielfeld, auch ohne vernünftigen Grund. Hatte aber (für mich) mehr Charme. Zumal man gleichzeitig mit Mehrleistung die Entscheidung traf, die Lebensdauer des Aggregats deutlich herabzusetzen. Das hat den Umgang mit dieser Leistung dann zusätzlich beeinflusst.

Ein anderer Freund hatte (hat den noch) einen Käfer Cabrio. Mit Mahle Schmiedekolben, anderen Nockenwellen und Köpfen und PiPaPoh kam er auf mehr als 85PS Leistung. Die hat er aber höchst vorsichtig betätigt, um eben nicht den Motorgau heraufzubeschwören.

Was ich mit dem Urprungspost wollte ist beantwortet und natürlich hat der Typ in seiner Aussage recht, dass eien 1200er Monster keine andere Übersetzung nötig hat - wenn es nur um Maximum geht. Wenn man die Getriebe/Gesamtübersetzung etwas "fahrbarer zu machen, lohnt das Experimentieren schon noch.

Es osll doch Spaß machen.

und @Eddie: Auch wenn ich Dein Augenzwinkern wahrgenommen habe. Es ist mitnichten so, dass ich mit rohem Kotelett zwischen den Zähnen und nach dem Motto "Lieber Tot als Zweiter" unterwegs bin. Im Gegenteil, mit meinen mittlerweile 50+ Lebensjahren werde ich zunehmend gemütlicher und gelassener.
Wenn ich mit meiner Frau durchs Weserbergland fahre, schaue ich mehr links und rechts als zur Ideallinie auf der Jagd nach 1/10 sek. und langsamer sieht man auch mehr :halloatall:
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Craig Vetter
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